IWF warnt: Finanzsystem anfällig für neue Schocks
Der Internationale Währungsfonds sieht das globale Finanzsystem an einem kritischen Punkt. Krieg, Schulden und neue Marktstrukturen könnten laut aktuellem Stabilitätsbericht rasch Turbulenzen auslösen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt im aktuellen "Global Financial Stability Report", dass die Risiken für die globale Finanzstabilität hoch bleiben. Im Zentrum steht der Krieg im Nahen Osten, der bereits zu steigenden Energiepreisen, höherer Inflation und angespannten Finanzierungsbedingungen geführt hat.
Die Märkte hätten bislang zwar weitgehend geordnet funktioniert, doch die Risiken seien klar nach unten gerichtet. Je länger der Konflikt andauere, desto größer sei die Gefahr abrupt verschärfter Finanzbedingungen.
Hohe Schulden und Anleihemärkte im Fokus
Besonders kritisch bewertet der IWF die Entwicklung an den Staatsanleihemärkten. Hohe Schuldenquoten und steigende Emissionsvolumina treffen auf eine zunehmend preissensible Investorenschaft – mit entsprechend höheren Schwankungen bei Renditen.
Das erhöht nicht nur die Finanzierungskosten, sondern verstärkt auch die enge Verflechtung zwischen Staaten und Banken.
Nichtbanken als potenzielle Krisenverstärker
Ein zentrales Thema des Berichts ist die wachsende Bedeutung von Nichtbanken wie Hedgefonds, ETF-Anbietern oder Private-Credit-Fonds. Deren zunehmende Verschuldung und Vernetzung mit dem Bankensektor gelten als potenzieller Verstärker von Krisen. Kommt es zu Marktschocks, könnten diese Akteure gezwungen sein, Positionen schnell abzubauen – was Kursbewegungen zusätzlich verschärft.
In den Emerging Markets sieht der IWF erhöhte Risiken durch Kapitalabflüsse. Kapitalströme würden zunehmend von Nichtbanken dominiert, die empfindlich auf globale Risikostimmungen reagieren. Das könne in Stressphasen zu abrupten Abflüssen und Währungsdruck führen – insbesondere in Ländern mit schwachen Fundamentaldaten.
Neue Risiken treffen auf robuste Banken
Zusätzliche Unsicherheiten entstehen laut Bericht durch den boomenden Markt für private Kredite. Erste Anzeichen steigender Ausfälle könnten sich auf den gesamten Unternehmensanleihemarkt ausweiten. Auch der KI-Boom birgt Risiken: Sollte sich die Finanzierungslage verschlechtern, könnten Bewertungen in diesem Sektor unter Druck geraten.
Das globale Bankensystem zeigt sich laut IWF bislang robust, gestützt durch solide Kapitalausstattung und stabile Kreditqualität. Dennoch bestehen Schwachstellen, etwa bei einzelnen Instituten sowie durch die wachsende Verflechtung mit Nichtbanken.
Erhöhte Wachsamkeit erforderlich
Der IWF fordert von Notenbanken und Regierungen erhöhte Wachsamkeit. Entscheidend sei, rechtzeitig Liquidität bereitzustellen und die Widerstandskraft des Systems zu stärken. Zudem müssten Aufsicht und Regulierung – insbesondere im Bereich der Nichtbanken – weiter ausgebaut werden. (mb)















