In ihrem Programm für die Periode 2020 bis 2024 hat die Bundesregierung eigentlich wesentliche Steuererleichterungen für Anleger versprochen. Dazu gehört eine KESt-Befreiung für ökologische und ethische Investitionen. Oder die KESt-Befreiung von Kursgewinnen aus Wertpapieren und Fondsprodukten nach einer gewissen Behaltefrist. Konkretes gibt es jedoch bis jetzt nichts. Die Bewältigung der Pandemie habe Vorrang, hieß es dazu vor einiger Zeit gegenüber der Redaktion.  

Nun macht Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Druck. "Wir fordern die Einführung einer einjährigen Spekulationsfrist. Zweitens muss die KESt auf Veräußerungsgewinne und Dividenden auf 25 Prozent reduziert werden", so Knill bei einer Präsentation. Ein reger Kapitalmarkt sei hinsichtlich der Unternehmensfinanzierung besonders angesichts der Corona-Krise wichtig.

Betriebspension und private Vorsorge in Österreich unterdurchschnittlich
Die Signale der Politik seien in den vergangenen Jahren eher gegenläufig gewesen, so Knill, der auf die Streichung der Behaltefrist im Jahr 2012 verwies oder auf die Steuerreform 2016, wo die KESt (außer auf Sparbucherträge) von 25 auf 27,5 Prozent angehoben wurde. Es brauche attraktivere Gesetze für die individuelle Vorsorge. Andere Länder würden hier bessere Anreize setzen. Im Durchschnitt der OECD-Länder tragen Kapitaleinkünfte und Betriebspensionen zu 18 Prozent zur Pension bei, in Österreich seien es nur 5,8 Prozent.

Auch die Mitarbeiterbeteiligung müsse ausgebaut werden, fordert Robert Ottel, Präsident des Aktienforums. Unternehmen würden sich oft für Fremdkapital entscheiden, weil (abseits der derzeit günstigen Zinserwartungen des Marktes) die Zinsen steuerlich abzugsfähig sind. Bei Dividenden auf das  Eigenkapitalseite ist das hingegen nicht der Fall. "Die Aufhebung dieser Diskriminierung wäre wichtig", so Ottel. Gerade während der Corona-Pandemie habe man bemerkt, wie wichtig eine solide Eigenkapitalausstattung ist.  

Die Bürger wollen kaufen
Immerhin stehen die Zeichen seitens der Bevölkerung nicht schlecht: Laut Meinungsforscher Peter Hajek sagen derzeit 25 Prozent, dass sie prinzipiell am Kauf von Aktien, Anleihen oder Fonds interessiert sind. 2016 waren das nur sieben Prozent der Österreicher. Jene Befragten, die nicht investieren, machen das an oberster Stelle aufgrund "mangelnden Wissens".

Der geringen Finanzbildung will die IV – wie etliche Organisationen in letzter Zeit – entgegentreten. "Wirtschaftsbildung muss wie Lesen, Rechnen, Schreiben im Bildungsangebot verankert werden", so IV-Präsident Knill. Er fordert kein eigenes Schulfach, sondern eine Überarbeitung des Lehrmaterials mehrerer Fächer durch Wirtschaftspädagogen. Knill begrüßt, dass Österreich, das sich Jahrelang der international üblichen Bestandsaufnahme verweigert habe, nun erstmals beim Pisa-Test für Financial Literacy mitmacht. (eml)