Die immer noch nicht annähernd bewältigte Sars-Cov-19-Pandemie hat Auswirkungen auf die Präferenzen von Immobilien-Anlegern - und das nicht erst seit Kurzem, sondern lange bevor sich das Problem ins allgemeine Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten nachhaltig eingebrannt hat. Geldgeber interessieren sich seit Jahren verstärkt für krisenresistente Objekte, sagt Kristina Chorna, Co-Leiterin des Bereichs Immobilien beim Multi-Family-Office HQ Trust - und ein Segment hat laut ihrer Beobachtung eindeutig das Nachsehen: "In den vergangenen Jahren war bereits eine Re-Allokation der Investments in einigen Nutzungsarten zu beobachten: mehr Wohnen und Logistik, weniger Büro, Hotel und Einzelhandel", erklärt sie. "Covid-19 hat den Strukturwandel der Nutzungsarten noch einmal beschleunigt."

Quelle: HQ Trust

Chorna hat das veränderte Immobilien-Transaktionsvolumen institutioneller Renditesucher nach Nutzungsarten in den Jahren von 2006 bis 2020 analysiert. Ihr Fazit lässt kaum Spielraum für Interpretationen: Zu den größten Verlierern des Wandels gehören ganz klar Büroimmobilien. Seit 2009 ist ihr Anteil an Immobilieninvestments von 51 auf 27 Prozent gesunken. Der Trend zum Homeoffice, den die Pandemie beschleunigt hat, drückt auf die Preise. Langfristig sollten Büroimmobilien aber weiterhin stabile Erträge erwirtschaften, glaubt Chorna. "Hier sehen wir Opportunitäten für aktive Asset Manager durch Umsetzung neuer Konzepte in der Büronutzung", sagt sie. Klarer Gewinner der Krise sind Logistik-Immobilien. Im Jahr 2006 gingen nur drei Prozent der Immobilieninvestments in diesen Bereich, im vergangenen Jahr waren es 23 Prozent.

Hohe Preise drücken auf die Renditen
Grundsätzlich sorge der Anlagedruck weiterhin für ein hohes Interesse an Immobilienkäufen, erläutert die HQ-Trust-Expertin. Für Anleger, die per Fonds in die Anlageklasse investieren, ist das allerdings nicht unbedingt eine gute Nachricht: Die hohen Kaufpreise ziehen sinkende Renditen nach sich – und zwar "in fast allen Nutzungsarten", wie Chorna berichtet. Die Renditen für solide Immobilien in attraktiven Lagen befänden sich inzwischen gerade einmal im niedrigen einstelligen Bereich. Investments in etwas abseitigeren Lagen hält die Expertin trotz des höheren Risikos für attraktiver. (fp)