Investmentstratege: So vermeiden Anleger Klumpenrisken
Viele Portfolios haben einen Schwerpunkt in den USA – Anleger gehen damit ein Klumpenrisiko ein. Werner Krämer von Lazard Asset Management mahnt, die eigene Asset Allocation systematisch zu überprüfen.
Anleger sollten angesichts der aktuellen Konzentration vieler Portfolios auf den US-Markt gezielt Maßnahmen ergreifen, um ihre Investments breiter aufzustellen und Risiken zu streuen. Zu stark sei inzwischen die Dominanz großer Wachstumstitel und Technologiewerte, meint Werner Krämer, Geschäftsführer und Senior Economic Analyst bei Lazard Asset Management in Deutschland. Das bedeute keinen Abschied vom US-Markt, die dortigen Unternehmen zeichneten sich weiterhin durch eine besonders hohe Kapitalproduktivität aus. Vielmehr gehe es um eine bessere Diversifikation.
Seine Einschätzung begründet Krämer mit den hohen Bewertungen, die auf ein anspruchsvolles Marktumfeld treffen: "Die Bewertungen an den Aktienmärkten liegen über ihrem historischen Durchschnitt, in den USA sogar auf außergewöhnlich hohem Niveau. Das spricht für mehr Vorsicht", so der Stratege. "Wir befinden uns in einer Zeit der geopolitischen Unwägbarkeiten. Hinzu kommt eine Staatsverschuldung, die global außer Kontrolle zu geraten scheint."
Strategien für mehr Diversifikation
Wie aber soll man diversifizieren? Ein klassischer Weg zur Risikostreuung führe über Anleihen. "Die Korrelationen zwischen Aktien und Renten bringen einen Diversifikationsvorteil, auch wenn dieser in den letzten Jahren recht unstetig war. Gleichzeitig spricht die Bond/Equity Yield Ratio derzeit wieder für eine höhere relative Attraktivität von Anleihen gegenüber Aktien", erläutert Krämer. Dies gelte auch für gemischte Portfolios aus Staatsanleihen, Covered Bonds und Unternehmensanleihen bis hin zu High Yield.
Sinnvoll sei es weiter, in andere Aktienmärkte als die USA zu investieren. "Außerhalb der USA liegen die Bewertungen vieler Aktienmärkte deutlich niedriger. Gleichzeitig entfällt ein erheblicher Teil des US-Marktes auf wenige große Technologieunternehmen." Umschichtungen in Richtung Europa, Japan oder Schwellenländer könnten daher sinnvoll sein. "Es geht nicht darum, US-Aktien den Rücken zu kehren, sondern das Portfolio regional breiter aufzustellen", so der Experte.
Vermeidung von Klumpen innerhalb der USA
Die großen US-Tech-Titel hätten ferner dafür gesorgt, dass Growth-Aktien deutlich erfolgreicher gewesen seien als Value oder Small Caps. "Ein Klumpenrisiko lässt sich auch innerhalb der USA vermeiden, indem Anleger gezielt nach Value oder Small Caps suchen. Das lässt sich beispielsweise über gleichgewichtete Indizes wie den S&P 500 Equal Weight realisieren", so Krämer.
Weitere Kriterien könnten auch die Suche nach Dividendentiteln oder Low Vol, also geringer Schwankungsbreite, sein. "Die großen Growth-Aktien sind in der Regel nicht sehr dividendenfreundlich und weisen starke Schwankungen auf. Dividenden- und Low-Volatility-Strategien bieten langfristig attraktive Ertragsperspektiven bei einem vergleichsweise moderaten Risikoprofil", urteilt Krämer.
Handlungsalternativen im anspruchsvollen Marktumfeld
Von einem vollständigen Ausstieg aus dem Aktienmarkt rät Krämer ausdrücklich ab: "Wir kennen die Zukunft nicht. Aber wir wissen aus der Vergangenheit, dass Market Timing ausgesprochen schwierig ist. Ein vollständiger Verkauf und Wiedereinstieg birgt hohe Risiken." Eine Alternative sei die teilweise oder vollständige Absicherung über Aktienindex-Futures. Diese sei flexibler und häufig kostengünstiger als ein Direktverkauf, löse das Timing-Problem jedoch nicht.
Für Krämer folgt daraus vor allem eines: Anleger sollten die hohe Konzentration in US-Aktien und großen Technologiewerten nicht ignorieren, aber auch nicht vorschnell auf kurzfristige Marktkorrekturen setzen. "Es geht nicht darum, Aktien oder den US-Markt grundsätzlich zu meiden", so Krämer. "Entscheidend ist vielmehr, Portfolios so aufzustellen, dass sie auch in einem anspruchsvolleren Marktumfeld tragfähig bleiben." Wer Klumpenrisiken systematisch reduziere und die strategische Asset Allocation breiter ausrichte, könne langfristig investiert bleiben, ohne einseitig von wenigen großen Wachstumstiteln abhängig zu sein. (fp)















