Investmentexperte: Was die geänderte Weltordnung für Anleger bedeutet
Mit den Umbrüchen und Verschiebungen in der globalen Ordnung tritt deren Analyse immer stärker in den Fokus der Anlagestrategie, sagt Arne Tölsner von der Capital Group.
Die globale Ordnung wird fragmentierter, politischer und weniger vorhersehbar. Damit steigt nicht nur das Risikoniveau. Auch die Bandbreite möglicher Marktergebnisse wird größer. Darauf müssen Anleger reagieren, sagt Arne Tölsner, Head of Client Group DACH bei der Capital Group.
"Geopolitik ist von einem Randthema zu einem zentralen Faktor für die Kapitalmärkte geworden", so Tölsner. Entscheidend sei weniger, jeden politischen Ausgang vorherzusagen. Vielmehr müssten Anleger verstehen, wo Abhängigkeiten bestehen, wie lange Belastungen anhalten können und welche Unternehmen oder Märkte mit einem veränderten Umfeld besser umgehen können.
Geopolitische Risiken verstehen
Das Problem: "Märkte sind häufig gut darin, eine unmittelbare Krise schnell einzupreisen", erläutert Tölsner. Schwieriger sei die Frage, wie lange deren Auswirkungen anhalten. "Wenn Sanktionen, Handelsbeschränkungen oder Störungen von Lieferwegen über längere Zeit bestehen bleiben, können sich die Folgen über höhere Kosten, veränderte Finanzierungsbedingungen und steigende Risikoprämien immer weiter aufbauen." Positionen, deren Erfolg stark von stabilen Handelsbeziehungen, Finanzierungsbedingungen oder politischen Rahmenbedingungen abhängt, sollten daher genauer hinterfragt werden. Potenzielle Engpässe werden dabei zum entscheidenden Risikofaktor.
Parallel dazu verteile sich globale Macht zunehmend auf mehrere regionale Zentren. "Wir bewegen uns nicht einfach von einer alten dominanten Ordnung zu einer neuen", erklärt Tölsner. "Vielmehr entstehen mehrere Machtzentren mit unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und strategischen Prioritäten. Genau daraus resultieren größere Unterschiede zwischen Ländern, Branchen und Unternehmen." Diese Divergenz dürfte seiner Einschätzung nach zunehmend Einfluss auf Anlageergebnisse nehmen.
Widerstandsfähigkeit statt Prognosesicherheit
Geopolitik werde dauerhaft Teil der fundamentalen Investmentanalyse, sagt Tölsner: "Die neue Weltordnung ist weniger ein einzelnes Ereignis als ein fortlaufender Prozess." Für langfristige Anleger komme es darauf an, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, Annahmen kontinuierlich zu überprüfen und Portfolios so aufzustellen, dass sie auch dann widerstandsfähig bleiben, wenn sich das globale System weiter verändert. (jh)















