In vielen Ländern nimmt die Wasserstofftechnologie bereits eine wichtige Rolle ein, nicht nur im Automobilsektor, sondern auch in der Chemiebranche und bei der Stahlerzeugung. Deutschland will nachziehen und hat in der Coronakrise eine "Nationale Wasserstoffstrategie" formuliert. "Als Anreiz für Projekte zur Erzeugung von Wasserstoff garantiert die Bundesregierung, die Zusatzkosten für klimafreundlich produzierten Wasserstoff zu übernehmen", erklärt Jürgen Brückner, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung FV Frankfurter Vermögen.

Wasserstoff hat Potenzial, ist der Anlageprofi überzeugt. Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein da. Für Anleger ist die Wasserstoffbranche allerdings ein schwieriges Terrain. Investoren sollten sich bei der Titelauswahl zunächst grob an der Mitgliederliste des Hydrogen Council orientieren, rät Brückner. In dieser Initiative sind die meisten wichtigen Firmen der Branche vertreten. "Auch die beiden Dax-Werte Linde und Siemens lassen Anleger am Wasserstoffpotenzial teilhaben", sagt der Experte. Linde betreibt etwa in Mainz die weltweit größte PEM-Elektrolyseanlage zur Herstellung von Wasserstoff.

Die Tücken der Titelauswahl
Idealerweise sollten Anleger in Firmen investieren, die innerhalb der Wertschöpfungskette eine schwer zu kapernde Schlüsselposition einnehmen, erklärt der Portfoliomanager. "Beispielhaft können hier die Hersteller von Elektrolyseanlagen genannt werden sowie die Hersteller von Bipolarplatten", sagt er. Letztere sind das Herzstück der Brennstoffzellen und damit eine Schlüsselkomponente für die Wasserstofftechnologie. Von ähnlicher Bedeutung sind Katalysatoren.

Die Auswahl der Investmentkandidaten ist nicht einfach. Viele Unternehmen machen trotz des großen Potenzials der Branche bislang noch Verluste, sagt Brückner. Anleger müssen sich deshalb stärker als in anderen Sektoren mit den Stärken und Schwächen der einzelnen Technologien befassen. "Besonders für Value-Investoren stellt das ein Dilemma dar, denn die Bestimmung des Unternehmenswertes in einem sich schnell entwickelnden Markt gleicht einem Schuss auf ein bewegliches Ziel", sagt der Anlageprofi. "Für Investoren mit Interesse an einer Zukunftstechnologie mit großem Wachstumspotenzial ergibt sich jedoch ein interessantes Betätigungsfeld." (fp)