In der letzten Woche hat sich einmal mehr gezeigt, wie disruptiv die Geldpolitik wirken kann: "Die Fed kündigte eine einschneidende Abweichung von ihrem Normalisierungsplan an, die Zinsstrukturkurve wurde invers, und das schürte Sorgen an den Märkten“, leitet Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist bei Invesco, eine aktuelle Kommentierung des Marktgeschehens ein.

Die Fed signalisierte bei ihrer geldpolitischen Sitzung im März, dass in diesem Jahr keine weiteren Zinsschritte ihrerseits erfolgen würden und sie ab Herbst eventuell keine weiteren Anleihen aus ihrer Bilanz auf den Markt werfen würde. Das wirft laut Hooper und wohl bei allen Investoren weltweit die Frage auf, wie schwach das globale Wachstum tatsächlich sei. Bei der Pressekonferenz versuchte der Fed-Vorsitzende Jerome Powell noch, die Märkte zu beruhigen. So erklärte er, dass sich die US-Wirtschaft in einer guten Verfassung befände und der globale Abschwung nur moderat sei.

"Diese Aussagen passen jedoch nicht zur dramatischen Kehrtwende, die die Fed in den vergangenen Monaten vollzogen hat. Innerhalb weniger Monate ist die Fed von der Bilanznormalisierung im Autopilot-Modus zur Rückführung und kurzfristigen Beendigung der Bilanzkonsolidierung übergegangen – und von drei Zinserhöhungen im Jahr 2019 zu keinem weiteren Zinsschritt“, merkt Hooper an. Der Kurswechsel der Fed war Hooper zufolge "ein einschneidendes Ereignis“ und sollte für ein deutlich besseres Umfeld für Risikoanlagen sorgen. Allerdings gäbe es ganz klar gewisse Ängste am Markt, die sich in den US-Staatsanleiherenditen widerspiegeln.

Schädliche "Zollwut"
Investoren fragten sich seither, ob der globale Abschwung tatsächlich nur moderat ist. Verstärkt wurden diese Ängste durch schwache Daten aus Europa und anhaltende Sorgen über die US-chinesischen Handelsstreitigkeiten. Hooper beschwichtigt: "Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass Zölle ein disruptiver geopolitischer Faktor sind, der eine erhebliche Bedrohung für die Weltwirtschaft darstellt. Ein altes Sprichwort lautet: Untaten fallen immer auf den Urheber zurück. In diesem Fall sind die Zölle die Untaten — die ersten negativen Folgen sind bereits erkennbar, und es könnten noch mehr werden“, warnt Hooper.

Letztlich sollten Investoren laut Hooper bedenken, dass eine inverse Zinskurve keine Rezession auslöst – in den vergangenen Jahren aber ein guter Indikator dafür war, dass eine solche bevorstehen könnte. Diese Aussage sei allerdings mit einigen Vorbehalten behaftet, betont die Invesco-Frau. Eine inverse Zinsstrukturkurve sei erst dann ein ernstzunehmender Hinweis auf eine Rezession, wenn sie rund drei Monate oder länger andauert — und nicht nur einen Tag. Auch sollten Investoren nicht vergessen, dass es häufig lange dauert, bis auf eine inverse Zinskurve eine Rezession folgt. Der vielleicht wichtigste Punkt sei nach Ansicht Hoopers: "Eine inverse Zinsstrukturkurve kann auch nur Folge einer experimentellen Geldpolitik sein: Die großen Zentralbanken haben ihre heimischen Anleihemärkte völlig verzerrt.“

Trump beruft Fed-Kritiker in ihr Führungsgremium
Eine weitere potenzielle Quelle geldpolitischer Disruption kam letzte Woche hinzu, als US-Präsident Donald Trump seinen früheren Wahlkampfberater Stephen Moore, einen Dauerkritiker der Fed, für einen Sitz im Gouverneursrat der Fed nominierte. "Moore hatte die Fed in der Vergangenheit erst für eine ultralockere Zinspolitik und im vergangenen Jahr dann für ihre Zinserhöhungen kritisiert. Er hat sich sogar dafür ausgesprochen, den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell zu entlassen", führt Hooper aus.

Sie warnt, dass die Zentralbanken ins Visier der Politik geraten könnten und Investoren sich Sorgen über eine mögliche Politisierung dieser Banken machen sollten, da eine solche Entwicklung sehr disruptiv sein kann und sich in der nächsten Krise als problematisch erweisen könnte. (aa)