Die Norges Bank hat als erste Zentralbank in Westeuropa seit Ausbruch des Iran-Kriegs die Zinsen angehoben und damit rasch auf die hartnäckig hohe Inflation reagiert. Die norwegische Zentralbank erhöhte ihren Einlagensatz am Donnerstag (7.5.) um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent. Es ist der erste Zinsschritt nach oben seit 2023.

Laut einer "Bloomberg"-Umfrage hatten nur fünf von 17 Ökonomen diesen Schritt erwartet, während die Mehrheit von keiner Änderung ausging.

Keine klaren Hinweise auf weiteren Kurs
Konkrete Hinweise auf den weiteren Kurs gaben die Währungshüter nicht. Sie verwiesen darauf, dass die Entscheidung dem Ausblick entspricht, den sie im März kommuniziert hatten. Dieser sah bis Jahresende eine mögliche Anhebung auf 4,25 bis 4,50 Prozent vor.

"Die Inflation ist zu hoch – und es gibt Anzeichen dafür, dass sie auf absehbare Zeit erhöht bleiben wird", erklärte der geldpolitische Ausschuss unter Leitung von Notenbankchefin Ida Wolden Bache. "Der Ausschuss ist der Ansicht, dass ein höherer Leitzins erforderlich ist, um die Inflation innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder zum Ziel zurückzuführen."

Norges Bank positioniert sich restriktiv
Mit dem Schritt positioniert sich die Norges Bank zusammen mit der Reserve Bank of Australia am restriktiven Ende unter den Zentralbanken fortgeschrittener Volkswirtschaften. Die Notenbanken im Euroraum und in Großbritannien dürften mit möglichen Maßnahmen hingegen bis Juni warten, während die schwedische Riksbank zuletzt signalisiert hat, vorerst keine Änderung vorzunehmen.

Hoher Preisdruck in Norwegen
Während sich viele europäische Notenbanken vor allem um Risiken steigender Energiepreise infolge der Krise im Nahen Osten sorgen, kämpfen Norwegens Währungshüter zusätzlich mit hartnäckigem inländischen Preisdruck. Eine Kerninflation von über drei Prozent wird durch die niedrige Arbeitslosigkeit und wenig flexible Lohnkosten angetrieben.

Anleger hatten ihre Erwartungen für eine Zinserhöhung im Mai bereits erhöht. Dennoch unterstreicht der Schritt die Entschlossenheit der Norges Bank, ihre Glaubwürdigkeit zu stärken, nachdem sie ihr Inflationsziel von zwei Prozent seit Anfang 2021 wiederholt verfehlt hat.

Analysten sehen weiteres Straffungspotenzial
"Angesichts der weiterhin hohen Energiepreise und Inflation sowie der stabilen Entwicklung am Arbeitsmarkt könnte im September eine weitere Straffung erfolgen", schrieben die Analysten Dane Cekov und Harald Magnus Andreassen von der schwedischen Investmentbank SB1 Markets, die den Schritt prognostiziert hatten. "Eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr ist deutlich wahrscheinlicher als eine Zinssenkung."

Josie Anderson, Ökonomin bei Nomura in London, erklärte, ein solcher Schritt hänge von der Inflationsentwicklung in den kommenden Monaten ab. "Der Ausschuss hat eindeutig die Geduld mit der hartnäckigen Inflation verloren", erläuterte sie in einem Bericht. "Allerdings ist unklar, wie sich die Inflation von hier aus entwickeln wird, selbst ohne den globalen Energieschock."

Riksbank bleibt abwartend
Am Donnerstag (7.5.) beließ die schwedische Riksbank ihren Leitzins bei 1,75 Prozent und hielt an einer abwartenden Haltung fest, wodurch sie sich eher dem lockeren geldpolitischen Ende des europäischen Spektrums zuordnet. 

"Die jüngsten Inflationsdaten lagen sowohl inklusive als auch ohne Energiepreise deutlich unter der Prognose der Riksbank", teilte die Zentralbank mit. "Zusammen mit der anfänglich schwachen wirtschaftlichen Aktivität bedeutet dies, dass Spielraum besteht, abzuwarten, bis ein klareres Bild der Auswirkungen des Kriegs und der damit verbundenen Angebotsschocks vorliegt." Der Analyst Magnus Lindskog von Handelsbanken sah im Ergebnis eine "leicht taubenhafte Neigung".

Die Reserve Bank of Australia hatte bereits am Dienstag (5.5.) zum dritten Mal in Folge die Zinsen angehoben und damit ihre Sonderstellung unter den Zentralbanken entwickelter Volkswirtschaften gefestigt. (mb/Bloomberg)