Die Österreichische Nationalbank (OeNB) warnt in ihrem aktuellen Financial Stability Report vor den wachsenden Herausforderungen für die Finanzmarktstabilität aufgrund des Niedrigzinsumfeldes. Dabei machen sich die Experten der OeNB anscheinend vor allem über die Entwicklung am heimischen Immobilienmarkt sorgen. So stiegen die Wohnimmobilienpreise in Österreich im bisherigen Jahresverlauf erneut an. Im dritten Quartal 2019 lagen sie fünf Prozent über dem Wert des Vorjahres, womit der Fundamentalpreisindikator der OeNB eine Überbewertung von 14 Prozent ausweist. Im September 2019 hat das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) deshalb die Einhaltung seiner quantitativen Leitlinie zu nachhaltigen Kreditvergabestandards durch die Banken evaluiert.

"Dabei zeigte sich, dass bei der Neukreditvergabe zwar der Anteil an hohen Beleihungsquoten und Laufzeiten sank, gleichzeitig jedoch der Anteil von Neukrediten mit hohem Schuldendienst erhöht blieb. Da die starke Dynamik auf dem österreichischen Immobilienmarkt eine selbstverstärkende Kredit-Preis-Spirale anfachen könnte, wird das FMSG das systemische Risiko aus der Wohnimmobilienfinanzierung weiter genau beobachten und die Bankenaufsicht verstärkt nachhaltige Kreditvergabestandards einfordern. In Anbetracht ihres Finanzmarktstabilitätsmandats wird die OeNB sorgfältig analysieren, ob die Voraussetzungen für eine Aktivierung von makroprudenziellen Maßnahmen erfüllt sind und ob eine entsprechende Empfehlung an das FMSG notwendig erscheint", erklärt man bei der OeNB.

Erhöhte aufsichtliche Wachsamkeit
Die österreichischen Banken konnten laut dem OeNB-Report einen Halbjahresgewinn in der Höhe von 3,5 Milliarden Euro erwirtschaften. Dieser fiel leicht geringer als im Vorjahreszeitraum aus, da trotz Konsolidierungsfortschritten und einer sinkenden Anzahl von Banken die Kosten-Ertrags-Relation nach wie vor hoch ist und Wertberichtigungen gebildet wurden.

Ein gemischtes Bild zeigt sich laut OeNB auch beim Geschäftsausblick der Banken: Einerseits unterstützt die akkommodierende Geldpolitik sowohl die Kreditnachfrage als auch die Zahlungsfähigkeit von Schuldnern, was dazu führte, dass der Anteil notleidender Kredite mittlerweile historisch niedrig ist. Andererseits führten anhaltende Handelsspannungen und geopolitische Unsicherheiten zu einer Wachstumsverlangsamung im Euroraum. "Die konjunkturelle Eintrübung und Bedenken bezüglich eines Aufbaus von Preisblasen in gewissen Marktsegmenten verlangen erhöhte aufsichtliche Wachsamkeit. Im Lichte der genannten Entwicklungen sollten die Banken sicherstellen, dass sie genug Handlungsspielraum für einen potenziellen Abschwung haben", erklärt die OeNB weiter. (gp)