Eine erste Marktanalyse der Immobilien-Experten von EHL zeigt bereits massive Auswirkungen der Coronakrise auf den österreichischen Immobilienmarkt. So sind im Vergleich zur Zeit vor Beginn der Krise die Anfragen hinsichtlich Anmietung oder Kauf einer Wohnung drastisch zurückgegangen und liegen zwischen 30 und 40 Prozent des Normalniveaus. Das ist laut EHL angesichts der gegenwärtigen Prioritäten in einem durchschnittlichen Privathaushalt allerdings auch keineswegs überraschend. 
Allerdings werden geplante Anmietungen, die vor Ausbruch der Krise angebahnt wurden und für die bereits Besichtigungen erfolgt sind, von einem großen Teil der Interessenten weiterverfolgt.

Auch die Übergaben von Wohnungen werden von den Hausverwaltungen gemäß den derzeit geltenden Hygienevorschriften durchgeführt. Bei Eigentumswohnungen kommt es wegen der wirtschaftlichen Verunsicherung zu vereinzelten Rücktritten von Kaufangeboten, es gibt laut EHL aber auch in geringerem Ausmaß neue Kaufangebote. 

Geringer fällt der Rückgang bei Vorsorgewohnungen aus. Die Zahl der Anfragen liegt bei etwa 50 Prozent des Normalniveaus. Hier steht den offensichtlichen negativen Einflussfaktoren ein steigendes Interesse seitens Investoren gegenüber, die nach dem Aktiencrash die vergleichsweise hohe Stabilität von Immobilieninvestitionen suchen.

Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt 
Die längerfristigen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt werden für die Immobilien-Experten voraussichtlich geringer ausfallen als auf den gewerblichen Immobilienmarkt, da die Nachfrage nach Wohnraum weniger stark von der konjunkturellen Situation abhängig ist als beispielsweise die Nachfrage nach Einzelhandels- oder Büroflächen.

Steigende Arbeitslosigkeit kann allerdings im Wohnungsbereich einen dämpfenden Effekt auf die Nachfrage haben. "Andererseits gehen wir davon aus, dass die Suche nach möglichst sicheren Veranlagungen bei solventen Käufern eine steigende Nachfrage nach Eigentums- und Vorsorgewohnungen bewirken wird", so die EHL-Experten.

Einzelhandelsmarkt besonders stark betroffen
Einzelhandelsimmobilien sind von den aktuellen Marktverwerfungen besonders betroffen. Abgesehen vom boomenden Lebensmittelhandel sind fast alle übrigen Flächen mit kleineren Ausnahmen für Anbieter des täglichen Bedarfs wie beispielsweise Drogeriemärkte und Apotheken derzeit auf behördliche Anordnung hin geschlossen. Allein in den Geschäften der 242 österreichischen Einkaufszentren kommt es laut aktuellen Schätzungen zu einem täglichen Umsatzausfall von rund 30 Millionen Euro. Zahlreiche Vermieter sehen sich mit Forderungen nach Mietreduktionen aufgrund der Unbenutzbarkeit der Flächen konfrontiert, insgesamt betrifft dies nach aktuellen Schätzungen Mieten im Ausmaß von rund 90 Millionen Euro pro Monat.

Verschlechterung der Bonität 
Zu erwarten ist auch eine Verschlechterung der Bonität zahlreicher Mieter. Ein wesentlicher Teil der Einzelhändler, Gastronomiebetriebe und Dienstleistungsunternehmen wird nach der Krise nur dann solvent bleiben, wenn das staatliche Stützungspaket greift und die beschlossenen Einschränkungen spätestens im 3. Quartal aufgehoben werden können.
Ungeachtet dessen ist laut EHL damit zu rechnen, dass sich der Strukturwandel auf dem Markt für Einzelhandelsimmobilien verschärfen wird.

Expansive Handelsketten werden ihre Expansionspläne redimensionieren oder zeitlich strecken, bereits begonnene Reduktionen des Filialnetzes werden vielfach beschleunigt werden. Auch wird der Trend zum Online-Einkauf durch die aktuelle Situation weiter verstärkt, da viele bisher nicht online-affine Kunden gezwungenermaßen beginnen, im Netz einzukaufen. Der Flächenbedarf von nicht durch Onlineeinkäufe substituierbaren Geschäftsmodellen im Bereich der Gastronomie und der Dienstleistungen wird hingegen kaum sinken.

Investmentmarkt
Deutlich geringer sind die akuten Auswirkungen der Krise auf Investments in Wohnimmobilien. Das Interesse an Veranlagungen in Zinshäuser oder Neubauobjekte ist weiterhin gegeben, aufgrund der hohen Volatilität auf den Aktienmärkten sind auch einige neue, sicherheitsorientierte Interessenten dazugekommen.

Sehr positiv werten die EHL-Experten, dass sich bisher noch keine Bestandshalter gezwungen sehen, Assets unter Zeitdruck zu verkaufen. Hingegen bekunden besonders liquiditätsstarke Investoren bereits jetzt vorsorglich großes Interesse, falls Objekte in der näheren Zukunft kurzfristig zu günstigen Konditionen zum Verkauf stehen sollten. (gp)