Von Minusgraden und Schneestürmen hin zu einem Temperaturanstieg um 40 Grad in bestimmten Gebieten innerhalb einer Woche – der Februar hat im Kleinen gezeigt, was im Großen in Folge des Klimawandels immer häufiger auftreten wird: extreme Wetterkapriolen. Das bestätigt Sven Bienert, Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft am Irebs-Institut der Universität Regensburg: "Wir müssen uns auf weiter steigende Naturgefahren einstellen." Wir, damit meint der Experte auch Immobilieninvestoren. Sturm, Hochwasser und Schneemassen können Gebäude stark in Mitleidenschaft ziehen. 

In einer Studie hat Bienert deshalb untersucht, welcher Zusammenhang zwischen Naturgefahren und Immobilienwerten in Deutschland besteht, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). "Obwohl die Folgen der globalen Erwärmung auch hierzulande immer sichtbarer werden, wird bei vielen Immobilieninvestitionen der Risikofaktor Klimaveränderung nicht berücksichtigt", kritisiert Francesco Fedele, Vorstandsvorsitzender des Finanzierungsvermittlers BF. direkt AG, der die Studie initiiert hat. Dies sei ein Fehler, da die aus dem Klimawandel resultierenden Risiken für Immobilien kontinuierlich stiegen. "Beim Thema Klimarisiken befindet sich die Immobilienbranche noch in der Findungsphase", pflichtet Marco Seethaler, Leiter des Bereichs Risikomanagement beim Vermögensverwalter Swiss Life Asset Managers gegenüber der FAZ bei.

Zeit, aktiv zu werden
Ein paar der größeren Immobilienfinanzierer wie die Berlin Hyp haben das Thema bereits auf dem Schirm. Kleinere und mittlere Institute haben Klimarisiken jedoch noch nicht in ihre Risikobewertung integriert, zeigt eine Umfrage der Bundesbank von 2019. "Kreditgeber und institutionelle Investoren sollten sich zunehmend mit der Frage beschäftigen, welche Extremwettereignisse für ihre Objekte ein Risiko darstellen und wie sie die Resilienz – also die Widerstandsfähigkeit – der Gebäude stärken können", betont Fedele. (fp)