Nach der Zinswende und der damit verbundenen sprunghaften Verteuerung von Immobilienfinanzierungen hält immerhin die Hälfte der europäischen Immobilieninvestoren an ihrer Investmentstrategie fest. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Union Investment, die bei 150 Immobilienunternehmen und institutionellen Immobilieninvestoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien das aktuelle Investitionsklima erfragt hat.

Rund 40 Prozent haben jedoch vor, sich in den kommenden zwölf Monaten weniger zu engagieren als geplant. Drei Prozent überlegen, gar keine Immobilien mehr zu kaufen. Die sich im aktuellen Update des Investitionsklimaindex abzeichnende Verunsicherung erklärt Union Investment damit, dass zu Beginn des zweiten Quartals dieses Jahres die langjährige Ära der extrem niedrigen Zinsen ein abruptes Ende gefunden hat.

Eigentlich müssten die Preise sinken
"In der Gemengelage aus steigenden Zinsen und rückläufiger Nachfrage müssten theoretisch die Preise von Immobilien deutlich sinken. Das aber war zumindest bis Mitte 2022 auf breiter Front nicht der Fall. Noch sind die europäischen Immobilieninvestoren offenbar in der Preisfindungsphase", sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilienresearch bei Union Investment.

Auch die Renditeerwartungen sind positiver als der Stimmungsumschwung zunächst vermuten ließe. Rund 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich in den kommenden zwölf Monaten auch vor dem Hintergrund von Zinswende, steigender Inflation sowie steigender Bau- und Energiekosten noch zwischen zwei und fünf Prozent Rendite aus ihrem Bestandsportfolio generieren lassen. (tw)

Der europäische Immobilien-Investitionsklimaindex
Der europäische Immobilien-Investitionsklimaindex von Union Investment wird seit 2005 ermittelt, seit Frühjahr 2008 halbjährlich. Der Index berechnet sich aus den vier Teilindikatoren "Marktstruktur", "Rah­menbedingungen", "Standortbedingungen" und "Erwartungen", die mit jeweils 25 Prozent gewichtet werden.