Der Vermögensverwalter HWB Capital Management aus Trier ist seit 1997 im Geschäft. 2002 lancierte Unternehmensgründer Hans-Willi Brand seinen ersten Fonds, mittlerweile sind es neun Portfolios, die er und sein Team managen – und das im Moment sehr erfolgreich. Der jüngste Kurssturz konnte einigen HWB-Fonds kaum etwas anhaben, der HWB Victoria Strategies liegt seit Jahresbeginn sogar im Plus. Im Interview mit FONDS professionell ONLINE erläutert Brand die Hintergründe.


Herr Brand, einige Ihrer Fonds haben den "Corona-Crash" an den Börsen gut überstanden. Der HWB Victoria Strategies ist seit Jahresbeginn im Plus, der HWB Portfolio Plus und der HWB Alexandra Strategies erlitten nur leichte Verluste. Was sind die Gründe dafür?

Hans-Willi Brand: Das hat verschiedene Gründe, die zum einen mit unserer Anlagestrategie zusammenhängen, zum anderen mit der jeweiligen Asset-Allokation der Fonds. Der Alexandra Strategies ist ein Aktienfonds und erlitt daher höhere Verluste als die beiden anderen Fonds, die neben Aktien auch in Wandelanleihen investieren. Der Portfolio Plus wiederum performte schlechter, da er Aktien aus Industrienationen enthält, während der Victoria Strategies auf Schwellenländertitel setzt. Und die asiatischen Börsen, etwa der Hang-Seng-Index, sind einfach nicht so stark gefallen wie diejenigen in Europa und Nordamerika.

Der wichtigste Grund für das insgesamt gute Abschneiden muss aber in der Anlagestrategie liegen. Wie sieht diese aus?

Brand: Die Anlagestrategie beinhaltet ein Frühwarn- und Absicherungssystem, das funktioniert hat. Unsere Indikatoren signalisierten am 21. Februar, dass die Märkte runtergehen werden. Daher haben wir direkt an diesem Tag, einem Freitag, und am 24. Februar die Portfolios mit einem Future-Overlay auf die Aktien in den Portfolios abgesichert. Wir haben mit Futures auf verschiedene Aktienkörbe auf sinkende Kurse gesetzt, zuerst bei den europäischen Titeln, dann auch auf die anderen. Dadurch konnten wir die Verluste aus den Aktien zum größten Teil ausgleichen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es aber nicht. Der HWB Victoria Strategies liegt daher seit Jahresbeginn mit knapp vier Prozent im Plus. Im März haben wir bislang die schwarze Null halten können.

Interessant. In der Vergangenheit funktionierte dieser Ansatz allerdings nicht immer. Viele HWB-Fonds liefen gerade in Jahren 2016 bis 2018 schlecht.

Brand: Da haben Sie Recht. Das lag aber weniger an der Strategie, sondern daran, dass wir argentinische Anleihen in den Fonds hatten. Da Argentinien die Papiere nicht mehr bedienen konnte, litt die Performance natürlich. Eine Zeit lang mussten wir Fonds sogar schließen. Wir haben uns schließlich geeinigt und rund ein Drittel unserer Forderungen zurückbekommen.

Schauen wir nach vorn: Wie haben Sie die Fonds nun aufgestellt?

Brand: Wir haben alle Absicherungen aufgelöst. Die Anleger partizipieren also von den steigenden Börsen.

Sie sind offensichtlich optimistisch für die Zukunft!

Brand: Ja, die Wirtschaft liegt nicht grundsätzlich am Boden. Die Börsen überreagieren meiner Meinung nach, was sich alleine daran ablesen lässt, dass die Volatilität sehr hoch ist. Mitunter erreichen die Schwankungen 15 Prozent am Tag! Die schlimmste Phase dürfte bereits vorbei sein, die Maßnahmen der Regierung sollten bald greifen. Im Sommer werden wir die Krise wieder vergessen haben, und Deutschland wird gestärkt aus ihr hervorgegangen sein.

Wir danken für das Gespräch! (jb)