Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte seinen Zenit bald erreicht haben, sagt Christian Heger, Chefanlagestratege bei HSBC Global Asset Management. Dem Boom in den USA steht eine zunehmend schwächelnde Wirtschaft in Asien und Europa gegenüber. In China lag das Wachstum im vergangenen Quartal auf dem niedrigsten Stand seit 2009. In der Eurozone fiel die Stimmung in der Industrie im Oktober auf ein Zweijahrestief. Immerhin: Für eine weltweite Rezession reicht das nach wie vor nicht. "Größere Ungleichgewichte sind gegenwärtig nicht erkennbar", sagt der Stratege.

Die kritische Marke von 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum sollte weder 2018 noch 2019 unterschritten werden. Dafür sind die Volkswirtschaften noch zu gut aufgestellt. Sie präsentieren sich weiterhin erstaunlich robust, allen voran die USA. "Der kräftige Fiskalimpuls dürfte den Zuwachs 2018 und auch im nächsten Jahr um mindestens 0,5 Prozent beschleunigen", prognostiziert Heger. Auch China tritt wieder verstärkt aufs Gaspedal. Die Senkung der Mindestreservesätze sowie fiskalische Impulse dürften das Wachstum im Reich der Mitte in den kommenden Quartalen stabilisieren, sagt der HSBC-Experte.

Keine Angst vor Inflation
Die Sorge vieler Anleger vor einer stark anziehenden Inflation hält der Anlagestratege für unbegründet. "Ein Großteil der diesjährigen Bewegung ist auf den starken Anstieg der Ölpreise zurückzuführen", sagt Heger. Dort ist das Ende der Fahnenstange allerdings bereits in Sicht: Die erhöhte Förderung in den USA hält das Angebot trotz der Iran-Sanktionen hoch, während die Nachfrage aufgrund der schwächeren Konjunktur sinkt. Zudem fehlen Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale. "Der feste US-Dollar und die schwächere Weltkonjunktur dürften auch hier die Preisüberwälzungsspielräume begrenzen", sagt Heger. (fp)