Investoren sollten eine Rezession in Deutschland auf der Rechnung haben. Denn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte von Oktober bis Dezember 2019 im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag informierte. Von der Nachrichtenagentur "Reuters" befragte Ökonomen hatten ursprünglich einen Mini-Zuwachs von 0,1 Prozent erwartet. Positiv sei einzig, dass das Wachstum im dritten Quartal nicht 0,1, sondern 0,2 Prozent betrug. Es könnte aber noch schlimmer kommen.

Maschinenbauaufträge brechen ein wie 2009
Wie das LBBW-Research am Freitag informierte, soll 2020 die deutsche Werkzeugmaschinenproduktion um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fallen. "Dies wäre der mit Abstand stärkste Einbruch seit 2009", schreibt die LBBW. Der Sektor werde hart von der Kombination negativer Faktoren getroffen: Da sei zum einen der zyklische Branchenabschwung, hinzu komme zum anderen die hohe Abhängigkeit von der sich transformierenden Automobilindustrie und der Investitionstätigkeit in China. Damit fiel die Kapazitätsauslastung im Januar 2020 auf 81,5 Prozent. Mehr als 18 Prozent der Unternehmen meldeten Kurzarbeit an. Doppelt so viele Betriebe erwarten dies für die kommenden Monate, so die LBBW-Analysten.

Diese schlechten Zahlen sollten Aktienanleger nachdenklich stimmen, denn die Auftragslage bei Werkzeugmaschinen, mit denen wiederum andere Maschinen produziert werden, gilt als einer der sensibelsten Vorlaufindikatoren für die Realwirtschaft. Trotzdem steigen die Aktienmärkte, angefeuert von der Hoffnung auf eine weitere oder womöglich noch üppigere Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken. Erfahrene Marktteilnehmer warnen daher vor dem derzeitigen Auseinanderlaufen zwischen schwacher Realwirtschaft und immer weiter steigenden Aktienkursen und befürchten, dass eine stärkere Korrektur an den Märkten diese Spreizung beseitigen werde. (aa)