Hollands Pensionsreform zwingt Österreich zu kürzeren Bond-Laufzeiten
Die Reform des niederländischen Pensionssystems dämpft die Nachfrage nach rotweißroten Langläufern – Österreich reagiert und signalisiert Flexibilität bei der Schuldenstrategie.
Österreich hat seit mehr als einem Jahrzehnt die durchschnittliche Laufzeit seiner Schulden verlängert, um von historisch niedrigen Finanzierungskosten zu profitieren. Sinnbild dafür sind die Jahrhundertanleihen der Republik.
Angesichts der weitreichenden Reform niederländischer Pensionsfonds – eines Schwergewichts im europäischen Rentenmarkt –, die die Nachfrage nach langlaufenden Papieren wohl dämpfen dürfte, hat sich Österreich nun auf kürzere Laufzeiten eingestellt.
Die Niederlande überarbeiten ihr Pensionssystem, um es für eine alternde Gesellschaft tragfähiger zu machen. Der Wechsel zum sogenannten Lebenszyklus-Investieren führt dazu, dass Fonds stärker in riskantere Anlagen und weniger in Anleihen investieren.
Finanzierungsagentur hält an Zielspanne fest
Österreichs Finanzierungsagentur hält für 2026 eine Zielspanne der durchschnittlichen Laufzeit seines Schuldenportfolios von 10,25 bis 11,75 Jahren aufrecht, wie aus dem am Donnerstag (4.12.) veröffentlichten Finanzierungsplan hervorgeht.
"Mit der durchschnittlichen Laufzeit, die bis Ende 2025 wahrscheinlich bei rund 11,5 Jahren liegen wird, gibt es Spielraum, innerhalb der Zielspanne nach unten zu gehen", sagte Geschäftsführer Markus Stix im Interview.

Lange Laufzeiten am stärksten betroffen
Langlaufende Anleihen dürften von der niederländischen Reform am stärksten betroffen sein, da sie für Menschen mit weiter entferntem Ruhestand ein größeres Engagement in riskanteren Vermögenswerten ermöglicht. Die Anleihebestände älterer Menschen werden zwar bestehen bleiben, dürften aber kürzere Laufzeiten haben.
"Wir glauben nicht, dass niederländische Pensionsfonds von europäischen Staatsanleihen in eine völlig neue Anlageklasse wechseln werden, sondern eher ihre Laufzeit verkürzen", sagte Stix. "Wir werden hoffentlich eine höhere Nachfrage an anderen Punkten der Kurve sehen."
27 Milliarden Euro niederländische Bestände
Die niederländischen Bestände österreichischer Staatsanleihen beliefen sich im zweiten Quartal auf rund 27 Milliarden Euro, wie Daten der niederländischen Zentralbank zu Banken und Pensionsfonds zeigen.
Zum 1. Jänner sollen zahlreiche Fonds in neue Verträge übergehen, und Marktteilnehmer stellen sich auf entsprechende Folgen ein. Viele erwarten weiter steigende Renditen langlaufender europäischer Anleihen und meiden entsprechende Positionen in ihren Portfolios.
Renditen steigen entlang der Kurve
Die Rendite 30-jähriger österreichischer Anleihen ist in diesem Jahr um 71 Basispunkte auf 3,80 Prozent gestiegen, während zehnjährige Papiere um 32 Basispunkte auf 3,05 Prozent zulegten.

Österreich hat Handlungsspielraum. Zwar wird damit gerechnet, dass die Wiener Finanzagentur 30-jährige Schulden verkauft, sie könnte sich aber auch für eine kürzere Laufzeit entscheiden.
Alternativ könnte das Land von seiner Geschichte ultralanglaufender Emissionen profitieren, darunter Europas erster Jahrhundertanleihe im Jahr 2017. Eine Gelegenheit könnte sich aus einer Marktanomalie ergeben, die einige dieser langen Laufzeiten auf günstigere Niveaus gebracht hat, so Stix.
Kurvensteilheit bleibt ein Dorn im Auge
Die Renditen österreichischer Jahrhundertanleihen liegen derzeit rund 55 Basispunkte unter denen von 30-jährigen Titeln. Die Anleihe mit Fälligkeit 2120 wird zu 30 Cent je Euro gehandelt, nachdem sie 2020 zeitweise bei 139 Cent lag – ein Spiegel des Durationsrisikos. Die meisten Halter sind langfristige Investoren, die die Papiere bis zur Endfälligkeit halten und keine Verluste aus dem fallenden Marktwert verbuchen müssen.
"Wir sind nicht glücklich über die Steilheit der Kurve", sagte Stix und verwies darauf, dass 30-jährige Laufzeiten für Österreich zu den teuersten Anleihen gehören. "Es gibt mehrere Möglichkeiten – und wir sind offen, wie wir im neuen Jahr reagieren." (mb/Bloomberg)















