Die steigende Inflationsrate treibt vielen Anlegern derzeit Schweißperlen auf die Stirn. Auch Investoren festverzinslicher Wertpapiere vermiest sie die Rendite. Denn die regelmäßigen Zinszahlungen sowie der zurückgezahlte Nominalwert verlieren an Wert. Allerdings sind nicht alle Bond-Anleger im Nachteil, sagt Jan King, Anleihespezialist beim Vermögensverwalter Allianz Global Investors: "Wer die Anleihen stoisch hält, bekommt am Ende, was von der Rendite übrigbleibt. Wer aber den Markt beobachtet, seine eigenen Erwartungen anpasst und entsprechend handelt, dem winkt unter Umständen ein Gewinn."

Die Erträge setzen sich nämlich für passive Anleger, die das Rentenpapier bis zum Ende der Laufzeit halten, anders zusammen als für aktive Anleger, die Kursbewegungen am Markt beobachten und handeln. Für erstere ist vor allem der Kupon entscheidend, ebenso wie die reale Laufzeitprämie, also der Zuschlag bei einer längeren Laufzeit. Für letztere spielt dagegen die im laufenden Jahr erwartete Inflationsrate ebenso wie der Risikoaufschlag für die Inflation eine wichtige Rolle. "Alle vier Risikoprämien können mit Einzelinstrumenten oder Kombinationen aus Instrumenten gehandelt werden", sagt King. 

Größere Erträge für aufmerksame Marktbeobachter
Am Beispiel zehnjähriger US-Staatsanleihen führt der Finanzprofi auf, wie aktives Handeln in den vergangenen anderthalb Jahren funktioniert haben könnte: "Am Hochpunkt der Corona-Krise am Finanzmarkt in den ersten Märzwochen 2020 verkauften Anleger die liquidesten Anteile ihres Portfolios", erklärt er. Daraufhin fielen die erwartete Inflationsrate sowie der Risikoaufschlag für die Inflation, während die realen Renditen stiegen. "Empfehlenswert in dieser Situation war es, Futures nominal verzinslicher Staatsanleihen sowie Inflation über Inflationsswaps zu shorten", sagt der Experte. 

Daraufhin folgte umgekehrt eine Marktphase, in der die Rendite fiel, die Inflation aber stieg. "Jetzt war empfehlenswert, Long in inflationsindexierten Anleihen und in Inflation über Inflationsswaps zu gehen", sagt King. In jedem Fall hat der aktive Anleihe-Investor bessere Chancen, als Gewinner aus der aktuellen Situation hervorzugehen. "Wer im Auge behält, welche Treiber die Renditen von Staatsanleihen beeinflussen, kann mit dem richtigen Einsatz der Instrumente auch bei einem unklaren Inflationsausblick profitieren." (fp)