Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen ist am Dienstag (1.9.) um bis zu sechs Basispunkte auf drei Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 1996 gestiegen. Für den Bondmarkt ist das eine Zäsur: Nippons Finanzierungskosten lagen jahrelang nahe null, inzwischen kehrt der Markt zur Normalität zurück.

Um diese Zeit im vergangenen Jahr war die Rendite nur halb so hoch. Das verdeutlicht das Tempo des Wandels, dessen Auswirkungen in der japanischen Wirtschaft und an den globalen Finanzmärkten zu spüren sind.

Erwartungen einer weiteren Zinserhöhung wachsen
Die Dynamik am Anleihemarkt des Landes hat sich grundlegend verändert, seit die Zentralbank 2024 die weltweit letzte Negativzinspolitik beendet hat. Die Preise standen zuvor unter dem starken Einfluss der Bank of Japan. Inzwischen werden sie in größerem Maße von Anlegern im In- und Ausland bestimmt. Deren Kauf- und Verkaufsentscheidungen richten sich nach den Aussichten für Inflation und Wirtschaftswachstum sowie nach Risiko und Rendite japanischer Staatsanleihen im Vergleich zu anderen Vermögenswerten.

Zusätzlichen Auftrieb erhalten die Zinserwartungen durch Spekulationen über eine raschere Straffung der Geldpolitik. Overnight-Swaps signalisierten am Montag (31.8.) eine Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent für eine Zinserhöhung der Bank of Japan im September. US-Finanzminister Scott Bessent äußerte zugleich die Einschätzung, dass die Ära der als Abenomics bekannten Reflationspolitik zu Ende gehe.

Staatsanleihen werden wieder attraktiver
"Steigende Renditen werden bestehende Portfolios durch Marktwertverluste belasten, zugleich aber attraktivere Einstiegsmöglichkeiten für Anleiheinvestoren schaffen", sagte Wee Khoon Chong, Marktstratege für den asiatisch-pazifischen Raum bei BNY. "Japanische Staatsanleihen werden wieder zu einer glaubwürdigen Anlageoption."

Die Zentralbank in Tokio hält weiterhin eine enorme Menge der Staatsanleihen des Landes. Die höheren Renditen bewegen japanische Institutionen jedoch dazu, mehr zu kaufen. Zugleich sind globale Fonds zunehmend als aktive Händler am Markt vertreten. Internationale Anleger stehen für rund zwei Drittel der monatlichen Kassatransaktionen mit japanischen Staatsanleihen. 2009 waren es nur zwölf Prozent.

Turbulenzen erfassen globale Märkte
Die Anleiherenditen steigen weltweit. Im Januar dieses Jahres kam es bei japanischen Staatsanleihen zu bemerkenswerten Marktturbulenzen, begleitet von heftigen Schwankungen des Yen. Dadurch entstand Aufwärtsdruck auf die Zinsen – von den USA bis nach Großbritannien und Deutschland.

Zur Stützung der japanischen Währung hatte Japan im vergangenen Monat mit der Rekordsumme von 15,4 Billionen Yen am Devisenmarkt interveniert. Erstmals seit 1998 beteiligten sich die USA an einer koordinierten Stützung des Yen.

Höhere Zinskosten fordern die Regierung
Die höheren Anleiherenditen in Japan spiegeln zugleich eine allgemeine Rückkehr der Inflation in der einst stagnierenden Wirtschaft wider. Diese profitiert inzwischen von einem kräftigen Anstieg der Unternehmensgewinne und steigenden Löhnen. Für die Regierung besteht die Herausforderung darin, dafür zu sorgen, dass sich dieses Wachstum in ausreichenden Steuereinnahmen niederschlägt. Sie sollen die steigenden Finanzierungskosten infolge der höheren Renditen decken.

Vor diesem Hintergrund drängt das Finanzministerium in seinem ersten Haushaltsentwurf für das kommende Fiskaljahr auf die Rekordsumme von 36,6 Billionen Yen (rund 230 Mrd. US-Dollar) für den Schuldendienst. (mb/Bloomberg)