Hin und Her macht bekanntlich Taschen leer – wie sich zeigt, gilt das nicht für Privatanleger, sondern auch für hochprofessionelle Geldvermehrer. Anstatt an überzeugenden Wetten festzuhalten sind vor allem Hedgefondsmanager zu Gefangenen des kurzfristigen Anlagehorizonts geworden. Wenn eine Position nicht schnell genug Geld einbringt oder zu früh zu viel verliert, wird sie gnadenlos geschlossen. “Es gibt viele sehr, sehr intelligente Leute an der Wall Street”, sagt Dinakar Singh, Gründer und Co-Chief-Executive-Officer von Axon Capital, in einem Bloomberg-Interview. “Das Problem liegt nicht darin, dass ihr Gehirn irgendwie geschrumpft ist. Das Problem ist, dass ihre Risikotoleranz geschrumpft ist.”

Zu viele Manager kauften Aktien, nicht weil sie grundsätzlich billig sind, sondern um die vierteljährlichen Performance-Ziele zu erreichen, sagt Signh im Bloomberg-Talk. Obwohl er den geschäftlichen Erfolg von Multi-Strategy-Fonds wie Millennium Management und Citadel bewundert, sagte Singh, dass ihre strengen Risikolimits übergroße Erträge für Händler nur schwer möglich machen.

Höhenflug und Absturz
Singh, ein ehemaliger Top-Händler bei Goldman Sachs, startete seine in New York ansässige Firma in einer unkomplizierteren Ära. Mit der Private-Equity-Gesellschaft TPG als Partner wurde TPG-Axon Capital Management zu einem der größten Fonds mit einer Long-Short-Strategie für Aktien. Das verwaltete Kapital stieg von ursprünglich 2,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 auf 13 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007, und angesichts der Kapitalzuflüsse expandierte Singh nach London, Hongkong und Tokio. Aber seine Performance brach ein und die Partnerschaft löste sich auf.

Der Verdacht, dass bei Singhs Generalkritik eine gute Portion Verbitterung mitschwingt, liegt nahe. Immerhin strauchelte er in der Finanzkrise 2008 und konnte nie wieder an seine Glückssträhne anknüpfen. Kunden zogen Milliarden von US-Dollar ab. Top-Leute wie Eric Mandelblatt und Hari Kumar gingenvon Bord.

Singh ist jedoch nicht der Einzige, der das Modell der Branche in Frage stellt. Anleger zogen 2019 mehr Geld aus Long-Short-Fonds ab als aus jeder anderen Strategie. Lansdowne Partner schloss seinen Flaggschiff-Fonds, nachdem er im ersten Halbjahr 23 Prozent verloren hatte. Sloane Robinson wird abgewickelt. Singh räumt ein, er habe neu lernen müssen, wie man in einem Markt Geld verdient, der jetzt von "Schafen“ wie quantitativen Fonds und Daytradern dominiert wird, die blindlings den Preisen nach oben oder unten folgen. “Die Hedgefonds sind nicht mehr die Wölfe”, so sein wenig schmeichelhaftes Fazit. (kb/ps)