"Ich würde sagen, es ist einer der am meisten überbewerteten, vielleicht der zweitüberbewertetste, den ich je gesehen habe." So äußerte sich Hedgefonds-Manager David Tepper im Interview mit CNBC über den derzeitigen Zustand des US-Aktienmarktes. Nach Ansicht des Gründers von Appaloosa Management waren Aktien nur in den Jahren 1999 bis 2000, also auf dem Höhepunkt der Technologieblase, noch teurer als jetzt. Auslöser für sein Statement war die Aussage seines legendären Hedgefonds-Kollegen Stanley Druckenmiller, der Aktien sogar als die am stärksten überbewerteten bezeichnet hatte, die er in seiner langen Karriere gesehen hatte.

Tepper, dessen Nettovermögen auf rund zwölf Milliarden US-Dollar geschätzt wird, räumte zwar ein, dass ihn das Ausmaß des Anstiegs des Marktes von seinen Tiefstständen vom 23. März überrascht hat. Er schreibt das den aggressiven geldpolitischen Maßnahmen der Federal Reserve und den Billionen Dollar an Staatsausgaben im Zuge der Krisenbekämpfung zu. Dieser Backstop der Fed bleibe bestehen und könne zu weiteren Gewinnen führen, so Tepper, aber im Moment bestehe "kein sehr gutes Risiko-Ertrags-Marktszenario". Er habe sich bei Aktien bei zehn bis 15 Prozent netto long positioniert.

Der Appaloosa-Chef schätzt, dass das Tief vom 23. März wahrscheinlich die Talsohle für den Aktienmarkt markiert. Das beziehe sich allerdings nur auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Andere Faktoren wie die US-Präsidentschaftswahlen im November oder die anhaltenden Spannungen zwischen China und den Vereinigten Staaten könnten noch zu weiteren Verwerfungen an den Börsen führen. "Ich denke, dass der (Corona-)Tiefpunkt hinter uns liegt", sagte Tepper, fügte aber hinzu, dass "das nicht bedeutet, dass man von diesen Niveaus nicht deutlich sinken kann". (mb)