Christine Lagarde sagte, ihr Grundgedanke sei es, ihre Amtszeit als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Ende zu bringen, nachdem diese Woche berichtet wurde, dass sie vorzeitig zurücktreten werde. "Wenn ich auf all die Jahre zurückblicke, denke ich, dass wir viel erreicht haben, dass ich viel erreicht habe", sagte sie in einem Interview mit dem "Wall Street Journal". "Wir müssen konsolidieren und sicherstellen, dass dies wirklich solide und zuverlässig ist. Daher gehe ich davon aus, dass ich bis zum Ende meiner Amtszeit bleiben werde."

Die "Financial Times" hatte am Mittwoch (18.2.) berichtet, Lagarde werde die EZB vor dem Ende ihrer achtjährigen Amtszeit verlassen. Damit solle Präsident Emmanuel Macron die Möglichkeit erhalten, noch vor den französischen Wahlen, die der extremen Rechten zum Durchbruch verhelfen könnten, Einfluss auf ihre Nachfolge zu nehmen.

Die EZB erklärte dazu, Lagarde sei "voll und ganz auf ihre Aufgabe fokussiert" und habe "keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen". Zugleich deutete die Formulierung an, dass sie einen vorzeitigen Abschied tatsächlich in Erwägung zieht.

Fokus auf Preisstabilität und Stärke des Euro
Lagarde sagte dem "Wall Street Journal", sie sehe ihre Aufgabe in der Sicherung von Preis- und Finanzstabilität sowie darin, "den Euro zu schützen und sicherzustellen, dass er solide, stark und fit für die Zukunft Europas ist". Zu dem Bericht der "Financial Times" wollte sie sich gegenüber dem "Wall Street Journal" nicht äußern.

Bereits zuvor war Lagarde mit einem vorzeitigen Abschied von der EZB in Verbindung gebracht worden. Im Juni vergangenen Jahres versuchte sie jedoch, Spekulationen zu zerstreuen, wonach sie an die Spitze des Weltwirtschaftsforums wechseln wolle. Gegenüber "Bloomberg Television" sagte sie kürzlich, sie sei "keine, die aufgibt".

Weltwirtschaftsforum-Chefin ist "eine von vielen Optionen"
Neue Spekulationen kamen auf, nachdem bekannt wurde, dass der Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau, sein Amt vorzeitig niederlegen wird – noch bevor Frankreich im kommenden Jahr an die Wahlurnen geht.

Lagarde sagte dem "Wall Street Journal", das Weltwirtschaftsforum sei "eine von vielen Optionen", die sie nach ihrem Ausscheiden aus der EZB in Betracht ziehe.

Sorge um politische Unabhängigkeit der EZB
Die Aussicht auf einen möglichen Wahlsieg von Marine Le Pens Rassemblement National hat in Europa Bestrebungen ausgelöst, zentrale Institutionen abzusichern. Gleichzeitig hat die Debatte darüber, möglichen Wahlfolgen zuvorzukommen, Bedenken hinsichtlich der politischen Unabhängigkeit der EZB aufkommen lassen.

Darauf angesprochen sagte Lagarde dem "Wall Street Journal": "Ich denke, die EZB ist eine sehr respektierte und glaubwürdige Institution – und ich hoffe, dass ich dazu beigetragen habe." (mb/Bloomberg)