Athen stellt einige Renditesucher zurzeit vor spezielle Probleme. Angesichts der erkennbaren Erholungssignale des krisengebeutelten Landes würden vor allem einige Hedgefonds gerne stärker auf griechische Anteilscheine setzen. Doch das Sortiment lässt arg zu wünschen  übrig. Die Gesellschaft Amber Capital beispielsweise ist für Griechenland so bullish, dass die Hedgefondsfirma sich sehnlichst wünscht, es gebe mehr Aktien, die sie kaufen könnte.

"Ich bin sehr optimistisch bezüglich der griechischen Wirtschaft", sagt Joseph Oughourlian, der den Vermögensverwalter 2005 gegründet hat, in einem Bloomberg-Interview. Wie viele andere in der Zunft wettet er darauf,  dass Griechenland nach Jahren der Rezession im Zusammenhang mit der Euroraum-Schuldenkrise, der drastischen Sparpolitik und der Auseinandersetzungen mit der Europäischen Union sich mitten in einem atemberaubenden Aufschwung befindet.

Der schlägt sich an der Börse bereits nieder: Seit Jahresbeginn ist der griechische Leitindex um 17 Prozent gestiegen und steuert damit auf den besten Jahresauftakt seit zwei Jahrzehnten zu. 2018 verzeichnete das Land das stärkste Wirtschaftswachstum seit 2007, und es wird zunehmend spekuliert, dass die marktfreundlichere Opposition bereits im Mai die populistische Syriza ablösen könnte. Doch weil griechische Bankaktien für viele Investoten tabu bleiben, steht Oughourlian wie zahlreiche seiner Kollegen vor dem Problem, dass nicht mehr viele Athener Werte in Frage kommen. Denn Amber ist längst nicht der einzige Fonds, der Griechenland bevorzugt. Marathon Asset Management erklärte in einer Analyse von Ende Februar 2019, dass das Land immer noch "eine bedeutende Wertchance" biete, obwohl die Konjunkturerholung länger auf sich warten lässt.

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Abwärtsrisiken gestiegen
Natürlich gebe es ein paar Dinge, die das Bild trüben. Die Regierung hat sich bei einigen Wirtschaftsreformen reichlich Zeit gelassen, was bei den Gläubigern Besorgnis weckte. Der Internationale Währungsfonds sagte erst unlängst, dass die griechischen Banken mehr Kapital benötigen und die Abwärtsrisiken gestiegen sind. Zur Orientierung: In den letzten zehn Jahren ist der Athens Stock Exchange Index um rund 60 Prozent gefallen, während der Stoxx Europe 600 um mehr als 110 Prozent zulegt hat. (aa/ps)