Goldman Sachs warnt vor "größtem Ölschock aller Zeiten"
Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Ölpreise durch massive Lieferausfälle in der Straße von Hormus nach oben. Goldman Sachs sieht einen Angebotsengpass historischen Ausmaßes.
Goldman Sachs hat seine Ölpreisprognosen für 2026 deutlich angehoben. Grund sind anhaltende Störungen der Lieferströme durch die Straße von Hormus, welche die US-Investmentbank als den größten Angebotsschock in der Geschichte des globalen Rohölmarktes bezeichnet.
Brent-Rohöl dürfte 2026 im Durchschnitt 85 Dollar pro Barrel erreichen, nach zuvor 77 US-Dollar, schrieben Analysten um Daan Struyven in einer Mitteilung. Für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wurde die Jahresprognose auf 79 Dollar angehoben, nach zuvor 72 Dollar.
Massive Angebotsausfälle erwartet
Die Anpassungen basieren unter anderem auf der Annahme, dass die Lieferströme durch die Straße von Hormus sechs Wochen lang nur bei fünf Prozent des normalen Niveaus liegen und sich anschließend über einen Monat hinweg erholen. Insgesamt könnten sich die kumulierten Ausfälle laut Schätzung der Bank auf etwas mehr als 800 Millionen Barrel belaufen.
Die Energiemärkte wurden durch den US-israelischen Krieg mit dem Iran erheblich erschüttert. Die Kämpfe dauern inzwischen die vierte Woche an, ohne dass eine Lösung in Sicht ist. US-Präsident Donald Trump stellte dem Iran ein zweitägiges Ultimatum, die Straße von Hormus – eine zentrale Verbindung zwischen dem Persischen Golf und den globalen Märkten – wieder zu öffnen, andernfalls drohten Angriffe auf Kraftwerke. Teheran kündigte Vergeltungsmaßnahmen an.
Krise mit historischer Dimension
Der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, erklärte bei einer Veranstaltung in Canberra, die aktuellen Störungen entsprächen in ihrer Wirkung "den beiden großen Ölkrisen der 1970er Jahre und der Gaskrise 2022 nach Russlands Einmarsch in die Ukraine – zusammengenommen".
Nach Ansicht der Goldman-Sachs-Analysten wird "der bislang größte Schock bei der Ölversorgung die politischen Entscheidungsträger und die Märkte wahrscheinlich dazu veranlassen, die strukturellen Risiken zu erkennen, die sich aus der hohen Konzentration von Produktion und Reservekapazitäten im Nahen Osten sowie aus der Verwundbarkeit der Energieinfrastruktur ergeben".
Produktionsverluste könnten weiter steigen
Die Produktionsausfälle im Nahen Osten dürften laut den Analysten von derzeit elf Millionen Barrel pro Tag auf einen Höchstwert von 17 Millionen Barrel pro Tag steigen, sofern sich die Lage nach einer vollständigen Wiederöffnung der Straße von Hormus über vier Wochen schrittweise normalisiert.
Derzeit führe der Schock zwar zu Engpässen in Asien, während die kommerziellen Rohölbestände in den OECD-Ländern in Amerika und Europa weiter steigen, da das globale Angebot vor dem Krieg über der Nachfrage lag, so die Analysten weiter. (mb/Bloomberg)




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