Der Chefstratege für globale Aktien bei Goldman Sachs, Peter Oppenheimer, der die Underperformance der Wall Street in diesem Jahr korrekt prognostizierte, rechnet damit, dass US-Aktien auch im kommenden Jahrzehnt hinter den globalen Märkten zurückbleiben werden.

Oppenheimer und sein Team empfehlen Anlegern, ihre Portfolios stärker zu diversifizieren und über den US-Markt hinauszublicken, da hohe Bewertungen die Kurschancen begrenzten. Sie erwarten, dass der S&P 500 in den nächsten zehn Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite von 6,5 Prozent erzielt – die niedrigste unter allen Regionen. Die höchsten Erträge prognostizieren sie für Schwellenländer mit 10,9 Prozent pro Jahr.

US-Aktien verlieren nach KI-Boom an Tempo
Nach einem Jahrzehnt stetiger Überlegenheit – angetrieben durch Technologiewerte und den Boom um künstliche Intelligenz (KI) – hat der S&P 500 in diesem Jahr deutlich schlechter abgeschnitten als andere Regionen.

Der Leitindex stieg bislang um rund 16 Prozent, während der weltweite MSCI-Index ohne US-Anteile um circa 27 Prozent zulegte.

Schwerpunkt auf Schwellenländer
"Diversifizieren Sie über die USA hinaus – mit einer Neigung in Richtung Schwellenländer", schrieben Oppenheimer und sein Team in einer Analyse. "Wir erwarten ein höheres nominales BIP-Wachstum und strukturelle Reformen zugunsten der Schwellenländer, während die langfristigen Vorteile von KI breit gestreut sein dürften – und nicht allein auf US-Technologie beschränkt."

Asien und Europa holen auf
In den kommenden Jahren dürften die Gewinne in Schwellenländern vor allem durch starkes Ertragswachstum in China und Indien getragen werden. Asien ohne Japan wird laut Goldman Sachs die zweitbeste Performance erzielen – mit einer durchschnittlichen Rendite von 10,3 Prozent pro Jahr.

Für Japan prognostizieren die Strategen 8,2 Prozent, gestützt durch Gewinnwachstum und politikgetriebene Verbesserungen bei Ausschüttungen an Investoren. Europa soll jährlich 7,1 Prozent Rendite bringen.

Hohe Bewertungen belasten US-Markt
Oppenheimer hatte bereits Anfang des Vorjahres gewarnt, dass US-Aktien überbewertet seien – und riet zu einer Verlagerung in internationale Märkte, die lange hinterherhinkten.

Der S&P 500 liegt 2025 in US-Dollar gerechnet hinter den meisten Regionen, da sich das Gewinnwachstum weltweit angleicht und der US-Markt dadurch weniger attraktiv wirkt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt aktuell bei 23 – nahe dem Post-Pandemie-Hoch und nicht weit vom Rekordniveau vor der Dotcom-Blase entfernt.

Vorsprung der Wall Street schmilzt
Der US-Leitindex wird derzeit mit einem Aufschlag von über 50 Prozent gegenüber globalen Märkten gehandelt. Laut Goldman Sachs dürften die Treiber der vergangenen Dekade – steigende Margen, niedrige Steuern und tiefe Zinsen – in den kommenden zehn Jahren nicht mehr dieselbe Wirkung entfalten.

"Die Netto-Gewinnmargen und die Eigenkapitalrendite des S&P 500 liegen derzeit nahe historischen Höchstständen, und viele der Rückenwinde, die in den vergangenen Jahrzehnten die Unternehmensgewinne gestützt haben, werden künftig kaum noch in gleichem Maß beitragen", erklärten die Strategen. (mb/Bloomberg)