Goldman Sachs hat seine Goldpreis-Prognose für das Jahresende um 500 US-Dollar je Unze gesenkt, da im weiteren Jahresverlauf keine Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve mehr zu erwarten seien.

Das neue Kursziel von 4.900 Dollar je Unze für Dezember bedeutet laut den Analysten Lina Thomas und Daan Struyven weiterhin steigende Goldpreise in der zweiten Jahreshälfte, allerdings weniger Aufwärtspotenzial als zuvor prognostiziert. "Unsere Einschätzung zum Goldpreis bleibt strukturell positiv, kurzfristig sind wir jedoch vorsichtig, mit Abwärtsrisiken auf kurze Sicht und Aufwärtsrisiken auf mittlere Sicht", schrieben die Analysten.

Gold unter Druck
Gold steuert auf den dritten Wochenverlust in Folge zu. Ausschlaggebend sind die falkenhafte Haltung der Federal Reserve und zunehmende Erwartungen von Zinserhöhungen, die die Auswirkungen der Unterzeichnung eines vorläufigen Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran überlagern.

Im frühen Handel notierte Gold am Freitag (19.6.) unter 4.200 Dollar je Unze, nachdem der Preis am Donnerstag (18.6.) um 1,1 Prozent gefallen war. Für die laufende Woche zeichnet sich damit ein moderater Rückgang ab.

Höhere Zinsen als Risiko
Der restriktive Ton des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh hat die Erwartungen verstärkt, dass die US-Geldpolitik noch in diesem Jahr gestrafft werden könnte. Das belastet Gold, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft.

Sorgen über die Unabhängigkeit der Zentralbank seien möglicherweise begrenzt, da die erste Fed-Sitzung unter Warshs Führung überraschend falkenhaft ausgefallen sei, so die Goldman-Analysten. Warsh wurde von US-Präsident Donald Trump ernannt, nachdem dieser seinen Vorgänger wiederholt dafür kritisiert hatte, die Zinsen nicht ausreichend gesenkt zu haben.

Sollte die Fed die Zinsen anheben, könnte die Nachfrage nach Gold als Absicherung gegen makroökonomische Risiken nachhaltiger zurückgehen, schrieben die Analysten. In diesem Fall könnte der Goldpreis zum Jahresende bei 4.400 Dollar je Unze liegen. (mb/Bloomberg)