Einen "goldenen" Herbst für Edelmetalle erwartet Ulrich Urbahn, Leiter Multi Asset Strategy & Research sowie Portfoliomanagement Alternatives bei Berenberg. Daran würden auch Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed nichts ändern, so Urbahn.

Kurzfristige und strukturelle Treiber
Die Realrenditen, die stark mit der Geldpolitik der Federal Reserve zusammenhängen, hätten sich zuletzt als stärkster Treiber des Goldpreises erwiesen, so Urbahn. Nachdem sinkende Realzinsen im August den Goldpreis stützten, katapultierte der aggressivere Ton von Fed-Chef Kevin Warsh den Realzins nach oben und setzte damit das Edelmetall unter Druck. Auch ein Zinsschritt der US-Notenbank könnte den Realzins steigen lassen – und den Goldpreis kurzfristig belasten. 

Doch etwaige Gold-Rücksetzer dürften nach Meinung von Urbahn nur von kurzer Dauer sein. Der Grund: "Starke Zentralbankkäufe und steigende Gold-Allokationen institutioneller Investoren dürften das Metall ebenso stützen wie die global ausufernde Staatsverschuldung, die die Risikoprämie sicherer Staatsanleihen, und damit die relative Attraktivität von Gold, strukturell erhöht."

Unsicherheit spricht für Gold
Auch die politische Unsicherheit, von der Gold über die letzten Jahre profitiert hat, dürfte seiner Meinung nach mit Blick auf die im November anstehenden US-Zwischenwahlen kaum abnehmen. Schwache Umfragewerte von Präsident Donald Trumps Republikanern dürften die Wahrscheinlichkeit für marktpolitische Wahlgeschenke, wie etwa Finanzminister Scott Bessents jüngste Intervention am US-Anleihenmarkt, nur erhöhen, erklärt der Portfoliomanager: "Der damit einhergehende Glaubwürdigkeitsverlust der US-Regierung dürfte Gold zusätzlich zugutekommen."

Als zusätzlichen positiven Faktor für Gold nennt er die September-Saisonalität: "Während der September historisch zu den schwächeren Monaten für US-Aktien zählt, kam die typische September-Nervosität an den Aktienmärkten in der Vergangenheit Gold häufig zugute." (jh)