Der Goldpreis ist nach seinem größten Einbruch seit mehr als einem Jahrzehnt weiter gefallen – auch Silber hat die abrupte Kehrtwende nach der vorherigen Rekordrally fortgesetzt.

Der Kassapreis für Gold gab zeitweise um 6,3 Prozent nach. Silber brach am frühen Montagmorgen (2.2.) um bis zu 11,9 Prozent ein. Bereits am Freitag (30.1.) war der Preis um 26,4 Prozent abgesackt, wobei das Minus innerhalb der Sitzung zeitweise sogar 36 Prozent betragen hatte.

"Der Trade war viel zu überlaufen"
"Das ist noch nicht vorbei", sagte Robert Gottlieb, ehemaliger Edelmetallhändler bei JP Morgan Chase und heute unabhängiger Marktbeobachter. Die Zurückhaltung, weitere Risiken einzugehen, werde die Liquidität am Markt begrenzen. "Wir müssen abwarten, ob sich eine Unterstützung bildet. Letztlich war der Trade viel zu überlaufen."

Gold notierte um 6:20 Uhr MEZ 4,7 Prozent leichter bei 4.662 US-Dollar je Unze, nachdem der Preis am Freitag bereits um neun Prozent gefallen war. Silber verzeichnete mit 79,22 Dollar je Unze gegenüber dem Freitagabend ein Minus von sieben Prozent. Auch Platin geriet unter Druck: Die Notierung sank um 6,8 Prozent auf 2.046 Dollar je Unze. Am 26. Januar hatte der Preis noch ein Rekordhoch von 2.922,69 Dollar erreicht.

Rally überraschte selbst erfahrene Händler
Zuvor hatten Edelmetalle Allzeithochs erreicht, die selbst erfahrene Marktteilnehmer überrascht haben. Die ohnehin starke Rally beschleunigte sich im Januar deutlich. Anleger suchten verstärkt Zuflucht in Gold – ausgelöst durch geopolitische Turbulenzen, Befürchtungen einer Geldentwertung und Sorgen um die Unabhängigkeit der Federal Reserve.

Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Markt durch spekulative Käufe aus China.

Rolle chinesischer Anleger entscheidend
Wie stark chinesische Anleger Kursrückgänge zum Nachkaufen nutzen, dürfte entscheidend für die weitere Marktentwicklung nach dem Einbruch am Freitag sein. Zwar fiel der Referenzpreis in Shanghai nach Handelsstart weiter, dennoch wurde dort weiterhin mit einem Aufschlag gegenüber dem internationalen Preisniveau gehandelt.

"Die Kombination aus erhöhter Volatilität und der Nähe des Neujahrsfestes wird Händler dazu bringen, Positionen zu reduzieren und Risiken abzubauen", sagte Zijie Wu, Analyst bei Jinrui Futures. Gleichzeitig dürfte der Preisrückgang – insbesondere in der Kauf-Hochsaison – die Nachfrage chinesischer Kleinanleger stützen.

Die Börsen auf dem chinesischen Festland bleiben wegen der Neujahrsfeiertage ab dem 16. Februar für etwas mehr als eine Woche geschlossen.

Künftiger Fed-Chef belastet Edelmetalle
Auslöser für den dramatischen Ausverkauf am Freitag war die Nachricht, dass US-Präsident Donald Trump Kevin Warsh für die Führung der Federal Reserve nominieren will. Dies stärkte den Dollar und belastete die Stimmung unter Anlegern, die darauf gesetzt hatten, Trump würde eine Schwächung der US-Währung zulassen.

Händler betrachten Warsh als den konsequentesten Inflationsbekämpfer unter den zuletzt gehandelten Kandidaten. Entsprechend stiegen die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik – ein Szenario, das den Dollar stützen und den in Dollar notierten Goldpreis belasten würde. (mb/Bloomberg)