"Gold-Bulle" verdient fast 300 Millionen Dollar mit Silber-Short
Nach Milliardengewinnen mit Gold setzt der chinesische Rohstoffhändler Bian Ximing nun auf fallende Silberpreise. Seine Short-Wette ist fast 300 Millionen Dollar wert – und zählt zu den größten Positionen am chinesischen Terminmarkt.
Ein chinesischer Milliardär und Rohstoffhändler, der mit der Rekordrally bei Gold bekannt wurde, hat nun Silber ins Visier genommen. Seine Wette auf einen Preiseinbruch des Metalls ist inzwischen fast 300 Millionen US-Dollar wert.
Bian Ximing, der die Öffentlichkeit meidet und einen Großteil seiner Zeit in Gibraltar verbringt, hat seit Anfang 2022 mit bullischen Positionen auf Gold-Futures an der Shanghai Futures Exchange (SHFE) fast drei Milliarden Dollar verdient. Nun hat er dort die größte Netto-Short-Position in Silber aufgebaut, wie eine Analyse der Nachrichtenagentur "Bloomberg" von Börsendaten und Angaben informierter Personen zeigt. Diese wollten anonym bleiben, da die Informationen nicht öffentlich sind.
Große Position, hohe Risiken
Bians umfangreiche Short-Position ist mit erheblichen Risiken verbunden. In dem volatilen Silbermarkt war er zeitweise gezwungen, einzelne Positionen mit Verlust zu liquidieren. Aktuell hält er jedoch eine Short-Position von rund 450 Tonnen Silber beziehungsweise etwa 30.000 Kontrakten.
Der starke Preisrückgang seit der vergangenen Woche führte dadurch zu einem Buchgewinn von rund zwei Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 288 Millionen Dollar. Unter Einrechnung früherer Verluste könnte sich Bians Nettogewinn auf rund eine Milliarde Yuan belaufen, basierend auf seiner Position und den Preisen zum Handelsschluss am Dienstag (3.2.). Silber rutschte am Donnerstag (5.2.) weiter ab und hat inzwischen mehr als 16 Prozent verloren, was Bians Gewinn mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter erhöht hat.
Aufbau über Zhongcai Futures
Bian begann in der letzten Januarwoche über sein Brokerhaus Zhongcai Futures, seine Short-Positionen in Silber deutlich auszubauen, wie Börsendaten zeigen. Die SHFE veröffentlicht keine Angaben zur Identität einzelner Anleger hinter Brokerkonten. Insidern zufolge machen jedoch Bians eigene Wetten – sowie Produkte, die er direkt für eine kleine Zahl von Kunden verwaltet – den Großteil der Edelmetallpositionen von Zhongcai Futures aus.
Börsendaten zufolge weitete Zhongcai die Short-Position am 28. Januar auf rund 18.000 Kontrakte aus. Am 30. Januar, als Silber in Shanghai ein Allzeithoch erreichte, stieg sie weiter auf etwa 28.000 Kontrakte. Bian und Zhongcai Futures reagierten nicht auf E-Mails mit der Bitte um Stellungnahme.
Zweifel an der Silber-Rally
Hintergrund für Bians Wette sind die seit Wochen starken Kursschwankungen, die Marktbeobachter dazu veranlassen, ihre bisher einheitliche Sicht auf Edelmetalle zu überdenken. Während viele institutionelle Anleger Gold weiterhin als Absicherung betrachten, wird der Anstieg des Silberpreises zunehmend als industrielle Rally eingeordnet. Diese sei vor allem durch spekulative Positionierungen und weniger durch fundamentale Faktoren getrieben.
Vom Silber-Bullen zum Überzeugungs-Short
Bian erlangte in Chinas Terminmärkten Bekanntheit durch aggressive Wetten auf steigende Goldpreise, die vor fast vier Jahren begannen. Er zählt zu einer kleinen Gruppe einflussreicher Persönlichkeiten, die den Rohstoffhandel seit dem wirtschaftlichen Boom prägen. Anders als viele seiner Mitstreiter fällt er durch seine Zurückgezogenheit auf – und durch eine treue Anhängerschaft, die seine Überlegungen zur Investmentphilosophie im Internet verfolgt.
Seit August des vergangenen Jahres hatte Bian eine Long-Position in Silber aufgebaut, die auf Basis von Börsendaten einen Gewinn von mehr als 1,3 Milliarden Yuan einbrachte. Im November begann er jedoch, seine Position zu drehen – und versuchte schrittweise, den Höhepunkt der Rally zu treffen. Das brachte ihn zeitweise auf die Verliererseite einzelner Trades.
Seit der vergangenen Woche hielt Bian seine Short-Position jedoch mit Überzeugung, verteilte sein Engagement auf länger laufende Kontrakte und blieb auch während zwischenzeitlicher Preisanstiege investiert. Der starke Kursverfall hat diese Strategie vorerst bestätigt.
Hinweis: "Bloomberg" rekonstruierte die Veränderungen der Zhongcai-Positionen mithilfe täglicher Daten der SHFE und schätzte daraus die Gewinne. Da die Börse keine Angaben zu Einstiegspreisen veröffentlicht, sind geringfügige Abweichungen möglich. (mb/Bloomberg)















