Gezielte Abwertung? Interventionsgerüchte erschüttern den Dollar
Die Debatte über eine mögliche Dollar-Schwächung gewinnt an Brisanz: Hinweise auf eine koordinierte Intervention zugunsten des Yen setzen den Greenback weiter unter Druck – begleitet von Marktvolatilität, politischen Risiken und einem neuen Rekord beim Goldpreis.
Die Aussicht auf eine gemeinsame Intervention der USA und Japans zugunsten des Yen am Devisenmarkt ist der jüngste Schlag für eine Leitwährung, die bereits an mehreren Fronten unter Druck steht.
Der US-Dollar gab am Montag (26.1.) gegenüber den meisten wichtigen Währungen nach, während der Yen zulegte und Gold ein Rekordhoch erreichte. Anleger diskutierten, wie sich eine gemeinsame Intervention zur Unterstützung Japans auf die Stimmung gegenüber dem Greenback auswirken könnte. Die US-Währung verzeichnete gerade ihre schlechteste Woche seit Mai, nachdem unberechenbare politische Entscheidungen in Washington für Verunsicherung an den Finanzmärkten gesorgt hatten.
Debatte über koordinierte Währungsintervention
Für viele Beobachter eröffnen die Anzeichen einer US-Unterstützung für den Yen die Debatte über eine potenzielle koordinierte Währungsintervention, um den Dollar gegenüber wichtigen Handelspartnern abzuwerten. Die Überlegung dahinter ist, dass ein solcher Pakt amerikanischen Exporteuren helfen würde, mit Ländern wie China und Japan zu konkurrieren – auch wenn dies Fragen über den langfristigen Wert der Weltreservewährung aufwirft.
In den USA legt das Finanzministerium die Währungspolitik fest und würde eine Intervention genehmigen, die dann in der Regel von der Federal Reserve als deren Agent ausgeführt wird.
Rolle der Fed und Signalwirkung
"Wenn die New York Fed beschließt, mitzuwirken, würde dies die Yen-Rally verstärken – und das nicht nur aus symbolischen Gründen", sagte Gareth Berry, Stratege bei Macquarie. "Japan hat viele Dollar, die es verkaufen kann, aber die New York Fed verfügt über unbegrenzte Mengen. Zudem würde es als Zeichen gedeutet, dass Trump generell einen schwächeren Dollar wünscht."
Der "Bloomberg"-Dollar-Spot-Index ist seit Anfang vorigen Jahres um mehr als neun Prozent gefallen. Risiken rund um die Unabhängigkeit der Federal Reserve und die Erwartung, dass der Nachfolger des Vorsitzenden Jerome Powell von Präsident Donald Trump dazu gedrängt wird, die Zinsen schnell zu senken, haben die US-Währung ebenso belastet wie ein wachsendes Haushaltsdefizit, Sorgen über fiskalische Zügellosigkeit und eine zunehmende politische Polarisierung.

Marktgerüchte befeuern Spekulationen
Die Diskussion um ein mögliches Währungsabkommen flammte am Freitag (23.1.) erneut auf, als Händler berichteten, dass die Federal Reserve Bank of New York Finanzinstitute kontaktiert habe, um sich nach dem Yen-Wechselkurs zu erkundigen. Die Wall Street wertete diese Anfragen als mögliche Vorbereitung dafür, dass Japan mit Hilfe der USA interveniert.
Koordinierte Interventionen zur Stützung des Yen sind selten – ein Fall ereignete sich 1998, ein anderer war das Plaza-Abkommen von 1985, eine Vereinbarung zwischen den USA, Frankreich, Japan, Großbritannien und der damaligen Bundesrepublik Deutschland zur Schwächung des Dollar.
Rückblick auf frühere Abwertungsdebatten
Anfang vergangenen Jahres debattierten Analysten über die Wahrscheinlichkeit eines sogenannten "Mar-a-Lago-Abkommens", ausgelöst durch ein Forschungspapier von Stephen Miran, Ökonom der Trump-Administration und derzeitiges Mitglied des Federal Reserve Board, über eine gezielte Schwächung des Dollar.
"Wenn das US-Finanzministerium anfängt, Anrufe zu tätigen, ist das normalerweise ein Zeichen dafür, dass es sich hier nicht mehr um eine normale Devisenmarktgeschichte handelt", sagte Anthony Doyle, Chef-Anlagestratege bei Pinnacle Investment Management. "Das Potenzial für koordinierte Maßnahmen begrenzt das Aufwärtspotenzial von Dollar-Yen und macht Long-Positionen im Dollar fragiler."
Marktreaktionen und politische Unsicherheit
Der Yen legte am Montag im asiatischen Handel um mehr als ein Prozent zu, während der "Bloomberg"-Dollar-Spot-Index um 0,4 Prozent fiel und damit den Rückgang der Vorwoche um 1,6 Prozent ausweitete. Dies geschah, nachdem Trump zunächst Zölle auf Europa angedroht hatte, um seinen Anspruch auf Grönland durchzusetzen, diese dann aber überraschend wieder zurückgenommen hatte. Am Samstag (24.1.) drohte er Kanada mit Zöllen in Höhe von 100 Prozent, sollte das Land ein Handelsabkommen mit China abschließen.
Der Ausverkauf des Dollar dürfte sich beschleunigen, da ausländische Investoren ihre Währungsabsicherungsquoten erhöhen und der Abwertungstrend des Yen durch Maßnahmen des öffentlichen Sektors gestoppt wurde, schrieb Mark Cudmore, Markets Live Executive Editor bei "Bloomberg".
Gold stieg am Montag erstmals auf über 5.000 Dollar pro Unze. Edelmetalle befinden sich mitten in einer Rekordrally, da erhöhte geopolitische Risiken dem sogenannten "Debasement Trade", bei dem sich Anleger von Fiat-Währungen zurückziehen, neuen Schwung verliehen haben.
Uneinigkeit über Dollar-Strategie der USA
Es gibt jedoch weiterhin Debatten darüber, ob die Trump-Administration tatsächlich einen schwächeren Dollar wünscht. US-Finanzminister Scott Bessent sagte voriges Jahr, dass die USA weiterhin eine Politik des "starken Dollar" verfolgen, und wies Bedenken über den Status des Greenback als wichtigste Weltwährung zurück. "Der Preis des Dollar hat nichts mit einer Politik des starken Dollar zu tun", sagte Bessent damals gegenüber "Bloomberg TV".
Für Daniel Baeza, Senior Vice President bei Frontclear, könnte jedes Zeichen koordinierter Maßnahmen die Stimmung gegenüber dem Greenback belasten. "Das wichtigere Signal ist die politische Koordinierung", sagte er. "Wenn die Märkte die Koordinierung als Bereitschaft interpretieren, eine lockerere globale Dollar-Politik zu tolerieren, insbesondere zusammen mit einer taubenhaften Reaktion der Fed, könnte dies den kurzfristigen Abwärtsdruck auf den Dollar verstärken." (mb/Bloomberg)














