Deutschland gilt als Paradies für Geldwäscher. Regelmäßig kommt es zu Großrazzien. Zuletzt beschlagnahmte beispielsweise die Berliner Polizei 77 Häuser und Grundstücke im Wert von schätzungsweise neun Millionen Euro – alle gekauft, um Geld aus dunkle Kanälen weiß zu waschen. Experten schätzen, dass auf diesem Weg jährlich rund 50 bis 100 Milliarden Euro an der Steuer vorbeifließen, berichtet das "Handelsblatt" nun. 

Besonders anfällig für die Geschäfte ist der Immobiliensektor. Häuser und Wohnungen werden derzeit noch ohne großes Risiko mit illegal erlangtem Bargeld erworben. Wie das "Handelsblatt" berichtet, schleusen Geldwäscher jährlich allein 20 bis 30 Milliarden Euro Schwarzgeld in Immobilien. Die Bundesregierung nimmt deshalb "rechtsberatende Berufsträger“ wie Notare und Rechtsanwälte stärker in die Pflicht.

Eine ähnlich große Rolle spielt der Graubereich diverser Kryptowährungen. Sie sind in der Geldwäsche deshalb so beliebt, weil ein Tausch anonym möglich ist – das erleichtert illegale Geschäfte . Als "Old but Gold" gelten unter Betrügern weiterhin Scheingeschäfte: Waschsalons, Spielhallen, Gaststätten – solche Orte eignen sich besonders gut für einen hohen Bargeldfluss. Wer das Geld anschließend geschickt an Scheinfirmen im Ausland überweist, kann die Herkunft oft erfolgreich verschleiern.  

EU und Bafin reagieren mit Maßnahmen 
Methoden zur Geldwäsche sind also vielfältig, und sie kommen den Staat teuer zu stehen. Deswegen verschärfte die Bundesregierung in den vergangenen Jahren immer wieder die Meldepflichten zur Geldwäscheprävention. Rechtsberatende Berufsträger wie Notare oder Rechtsanwälte stehen zum Beispiel stärker in der Pflicht, auf einen Geldwäscheverdacht hinzuweisen. Auch die Europäische Union (EU) schaltet sich nun ein, wie FONDS professionell bereits vor zwei Wochen berichtete. Ein Punkt: In vielen europäischen Ländern wie in Deutschland gibt es bisher keine Obergrenzen für Bargeldgeschäfte. Das soll sich mit einem neuen Gesetzespaket ändern. Demnach würden Bargeldgeschäfte künftig EU-weit einer Obergrenze von 10.000 Euro unterliegen. Auch das könnte Geldwäsche erschweren.

Die EU-Kommission wird in Kürze einen Entwurf für ihr Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Geldwäsche vorlegen. Dazu wird auch die Gründung einer neuen EU-Behörde gehören. Diese soll 2023 eingerichtet sein und Anfang 2026 ihre Arbeit aufnehmen.

BVI fordert Frankfurt als Sitz
Der deutsche Fondsverband BVI fordert, diese Geldwäschebehörde in Frankfurt am Main anzusiedeln. Es sei wichtig, dass sie in der deutschen Finanzmetropole und nicht in Paris aufgebaut werde, sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter am Montag (19. Juli). "Andernfalls könnte sich die Tektonik zwischen den kontinentaleuropäischen Finanzplätzen zugunsten von Paris verschieben", so Richter.

Noch lägen Frankfurt und Paris hinsichtlich der Zahl der ansässigen EU-Finanzinstitutionen gleichauf. "Die Bundesregierung muss sich für Frankfurt als Standort der neuen EU-Behörde einsetzen", erklärt der BVI-Hauptgeschäftsführer. Eine "Schlappe" wie bei der EBA dürfe nicht noch einmal passieren. 

Kein Standortnachteil
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) war 2019 in Folge des Brexits 2019 von London nach Paris verlegt worden. Dort hat auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) ihren Sitz. Würde nun auch die EU-Geldwäschebehörde in der französischen Hauptstadt  angesiedelt, hätte Frankfurt gegenüber Paris einen klaren Nachteil, so Richter. (fp/am)