Seit Jahren weisen Ermittlungsbehörden darauf hin, wie schnell Privatpersonen zum Geldwäscher werden können. Die vom Internetombudsmann unterstützte "Watchlist Internet" warnt nun vor dem Onlineportal appdoctor.me. Deren betrügerischen Betreiber suchen App-Tester und versprechen ihnen dafür Geld. Entlohnt wird man für die Dienste freilich nicht. Vielmehr eröffnen die Kriminellen ein Konto im Namen der vermeintlichen Tester, um dort Geldwäsche zu betreiben, heißt es bei Watchlist Internet.

Registrierung bei Onlinebanken wie N26
Werbung macht appdoctor.me etwa auf Kleinanzeigenplattformen wie ebay, getarnt als Stellenausschreibung. So versuchen die Betrüger, die hinter der Webseite appdoctor.me stecken, an ihre Opfer zu kommen. Versprochen wird ein Nebenverdienst von rund 35 Euro pro Auftrag. Ein Betroffener meldete, dass er unter dem Vorwand, die Online-Legitimationsverfahren bei den Banken Fidor, Bitwala oder N26 zu testen, seine Daten bekannt geben hätte sollen.

Die Opfer müssen sich die App von Online-Banken auf Ihr Smartphone laden. Unter dem Vorwand des Testes stellen ihnen die Betrüger Zugangsdaten zur Verfügung, mit denen man sich anmelden soll. Damit die echten Mitarbeiter von Bitwala keinen Verdacht schöpfen, geben die appdoctor.me-Betreiber Antworten auf Fragen, die im Rahmen des Legitimationsverfahrens gestellt werden, genau vor. Konten, die auf einem fremden Namen laufen, sind unter Internet-Betrügern begehrt. Sie können diese für Geldwäsche nützen oder auch am Schwarzmarkt weiter verkaufen.

Der durchschnittliche Money Mule: Jung, männlich
"Das bedeutet, dass Ihr Name für illegale Handlungen verwendet wird. Dadurch kann es passieren, dass die Behörden im Rahmen von Ermittlungen auf Ihren Namen stoßen und Sie schwerer Verbrechen verdächtigen", warnt Watchlist Internet. Wer Opfer wurde, gilt den Ermittlungsbehörden als Money Mule oder Finanzagent und sollte dringend Anzeige erstatten.

Der durchschnittliche Money Mule ist statistisch betrachtet männlich und im Alter von 18 bis 34 Jahren, heißt es beim Bundeskriminalamt (BK). Die Rekrutierung von Money Mules erfolgt oft durch seriös wirkende Jobangebote auf Internetseiten, via soziale Medien, via Spam-Mails, oder über Messaging Apps, so das BK. Oft verlaufen die Geschäfte auch so, dass dem Opfer ein Geldbetrag aus dem Ausland auf sein Konto überwiesen wird. Dann wird man aufgefordert, diesen Geldbetrag entweder weiter zu überweisen oder abzuheben. "Als Finanzagent leistet man auf jeden Fall einen Beitrag zur Vollendung des Betruges", warnt das BK. (eml)