Geldwäscherei hat sich für Finanzdienstleister in fortgeschrittenen Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren zu einem der bedrohlichsten Risiken entwickelt. Über diese Warnung der Finanzmarktaufsicht (FMA) berichtet FONDS professionell in einem Artikel, der in voller Länge in der neuen Printausgabe erscheint.

Die Bedrohung ergibt sich nicht nur aus hohen Geld- oder Haftstrafen bei Verletzung der (Sorgfalts-)Pflichten, sondern relativ rasch auch aus dem Reputationsverlust. Laut Statistik schaut die Behörde beim Thema Prävention immer genauer hin: Die Ermittlungsverfahren sind im Jahr 2020 um rund 14 Prozent gestiegen, die eingeleiteten Verwaltungsstrafverfahren haben sich fast verdreifacht (Grafik im Heft).

Neuerungen auf EU-Ebene
Das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) schätzt, dass global jährlich zwischen zwei und fünf Prozent des globalen BIP gewaschen werden – bis zu 1,87 Billionen Euro. Betroffen ist auch die EU, wo manche Staaten zu lax agieren. Angesichts dessen intensiviert die EU-Kommission seit einiger Zeit ihre Bemühungen: Seit rund einem Jahr steht eine eigene EU-­Anti-Geldwäschebehörde im Raum. Vor einigen Wochen tauchte ein internes Papier auf, wonach diese Behörde eigene Durchgriffsrechte erhalten und damit nicht von der nationalen Praxis abhängig sein soll.

Man darf weiter gespannt sein: Im Mai schlug der Plan einer 10.000-Euro-Bargeldgrenze von EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness hohe Wellen. Der Vorschlag ist Teil eines für Juli angekündigten Gesetzespakets, das ein "Big Bang" im Kampf gegen die Geldwäsche sein soll.

Österreich verschärft Vorgaben
In Österreich wurde heuer (mit Verzögerung) das Kontenregister auf Schließfächer und mehrere Kontenarten ausgedehnt so wie der Kreis der Einschauberechtigten erweitert (etwa Geldwäschemeldestelle, BVT, FMA etc.).

Abseits davon gibt es weitere Neuerungen: Seit 1. April 2021 sind Verdachtsmeldungen ausschließlich über das Portal goAML einzubringen. Zu den Verpflich­teten gehören unter anderem auch Ver­mögensberater und Versicherungsmakler/-agenten, die Lebensversicherungen vermitteln.

Kritik an Erhebungsbögen
Neu gestaltet wurden außerdem die Risikoerhebungsbögen, in denen Gewerbetreibende eigene Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsrisiken bezüglich Kunden oder Ländern einschätzen müssen: Erstmals können die Bögen auch online ausgefüllt und abgeschickt werden (über das USP). Nach dem Ausfüllen errechnet sich ein Durchschnittswert beziehungsweise eine Risikozahl, und es wird die Kategorie ausgewiesen, in der das Unternehmen den Höchstwert hat.

Die Umgestaltung des Fragenkatalogs weckte auch Kritik: Bei manchen Antworten hat das Wirtschaftsministerium schon Risikoeinstufungen voreingestellt. Der Geldwäscheexperte Andreas Dolezal hält die Voreinstufungen vielfach für nicht nachvollziehbar. Auf seiner Homepage bringt Dolezal Beispiele, wonach etwa ­bereits ein Gewerbestandort Risikostufe 2 (mittleres Risiko, Skala 1 bis 4) bedeutet. Und wer mehr als 50 Prozent seines Geschäfts mit persönlichem Kontakt abschließt, wird automatisch auf Risiko 3 (hoch)gestuft. (eml)


Der gesamte Artikel erscheint in der aktuellen Printausgabe 2/2021 von FONDS professionell und ist auch im E-Magazin nachzulesen.