Investoren sollten japanischen Aktien einen genaueren Blick schenken, meinen die Manager der Fondsgesellschaft GAM. "Bei der Beurteilung der Anlageaussichten japanischer Aktien im Vergleich zu ihren globalen Pendants erkennen wir mindestens drei Gründe, weshalb Anleger für japanische Aktien zuversichtlich sein können“, schreiben Ernst Glanzmann und Reiko Mito, Fondsmanager bei GAM Investments, in im zweiten Teil einer Japan-Analyse (Teil eins lesen Sie hier).

Erstens erwirtschaften japanische Unternehmen im historischen Vergleich hohe Gewinne und Margen. Der leer gefegte Arbeitsmarkt verspricht gutes Einkommenswachstum. Dies dürfte den Konsum weiter ankurbeln und damit den Trend steigender Erträge fortsetzen. Zweitens haben die Führungsteams japanischer Unternehmen dank der robusten Gewinnmargen und Cashflows nicht nur erheblich mehr Spielraum für die Umsetzung von Investitionsplänen, die das zukünftige Wachstum des Geschäfts zusätzlich ankurbeln, sondern auch für Ausschüttungen oder Aktienrückkäufe. Drittens steigen die Dividendenrenditen weiter und die reinvestierten Dividenden stellen eine wichtige Komponente der Gesamtrendite japanischer Aktien dar.

Ausgewogene Verteilung
"Wir werden oft gefragt, wie sich das Umfeld für die Unternehmen seit den Boomjahren der 1980er verändert hat. Auch hier stellen wir fest, dass viele dieser Veränderungen sehr ermutigend sind", schreiben Glanzmann und Mito. So nehme Japan unverändert eine Spitzenposition bei Innovationen in der Robotertechnologie ein. Die Entwicklung von Robotern könnte sogar dabei helfen, die schwierige demografische Lage der Nation zu bewältigen.

Die Abhängigkeit des Landes von Technologieexporten hat jedoch in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich abgenommen. Der japanische Aktienmarkt weist im Vergleich zu globalen Benchmarks sogar eine signifikante Untergewichtung von Technologieunternehmen und Banken auf. Die Ausrichtung ist nunmehr viel ausgewogener zwischen den Branchen aufgeteilt. "Obwohl wir unverändert sehr von unseren ausgewählten Technologiepositionen überzeugt sind, kann die Tatsache, dass der breite Markt zunehmend weniger von Technologie- und Dienstleistungssektoren abhängt, die von globalen Regulierungsmaßnahmen betroffen sein können, nur als positiv eingestuft werden", meinen Glanzmann und Mito.

Hoch rentabel, günstig bewertet
Derzeit beruht die Anlagebeurteilung Japans auf der mikroökonomischen Ebene. Versierte Investoren können hier Nischenakteure entdecken, die ein nachhaltiges Gewinnwachstum zu angemessenen Kursen bieten. Aus Bewertungssicht weisen Glanzmann und Mito auf die Tatsache hin, dass japanische Unternehmen derzeit mit der höchsten Rentabilität aufwarten, während ihre Aktienkurse nach wie vor auf der Stelle verharren.

Dies habe zur Folge, dass sich die Aktienrisikoprämie – also der Überschussertrag, den eine Anlage in japanischen Aktien gegenüber dem "risikofreien Ertrag" bietet – auf dem höchsten Stand seit über 40 Jahren bewegt. "Unserer Einschätzung nach ist dies nur ein weiterer guter Grund, die Chancen in Betracht zu ziehen, die japanische Aktien derzeit bieten", resümieren Glanzmann und Mito. (aa)