Die jüngste Marktrotation, die zu einer Outperformance von Sektoren wie Telekommunikation, Pharma und Energie geführt hat, dürfte keinen Bestand haben, sagt Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien bei GAM Investments. "Unserer Erfahrung nach laufen sich solche Rotationen recht schnell tot, wenn sie nicht durch eine Veränderung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten unterstützt werden", sagt der Anlageexperte. Derzeit seien keine solchen Veränderungen zu erkennen.

Die Aufholjagd der schwächeren Sektoren lässt sich Gallagher zufolge mit der ausgeprägten Dispersion unter den Sektoren innerhalb kurzer Zeit erklären. "Solch eine Dispersion deutet entweder auf eine außerordentliche Werthaltigkeit in Marktbereichen hin, die bisher zurückgeblieben sind, oder auf eine mangelnde Werthaltigkeit in den Marktsegmenten, die sich sehr gut entwickelt haben, wie Technologie und zyklische Konsumgüter", sagt er. Die Trennlinie zwischen Growth- und Value-Titeln lässt sich aber nur schwer bestimmen, weil sie sich im Laufe der Zeit verschiebt. Es ist also fraglich, ob die Pharmabranche jetzt als Value-Sektor angesehen werden sollte, nachdem sie so lange hinter dem Markt zurückgeblieben ist – oder ob der Sektor wegen signifikanter Herausforderungen bloß niedriger bewertet ist. 

Top-down-Argumente sind zu simpel
Viele Pharma-Firmen sehen sich mit der Konkurrenz durch Generika und Biosimilars sowie einem hohen Preis- und Innovationsdruck konfrontiert, sagt Gallagher. Die Telekommunikationsbranche leidet unter zunehmender Regulierung und einem hohen Investitionsbedarf bei gleichzeitigem Rückgang der Einnahmen. Die Gewinnkorrekturen in den Sektoren Telekommunikation, Energie und Pharma sind nicht gerade überzeugend, sagt der Anlageexperte: Die Trends der Korrekturen liegen entweder unter dem Mittelwert oder nur leicht darüber. "Das soll nicht heißen, dass es in diesen Sektoren nicht einzelne Aktien gibt, die attraktiv sind", betont Gallagher. Seiner Meinung nach sind diese Top-down-Argumente aber häufig zu simpel und funktionieren nicht, solange sich bei den zugrundeliegenden Fundamentaldaten nichts tut.