Am heutigen Tag stimmt das britische Parlament über Theresa Mays Brexit-Deal mit der EU ab. Alles deutet darauf hin, dass die britische Premierministerin die Abstimmung verlieren wird, sagt Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank. "Die Politik sieht einen ungeregelten Brexit auf Europa zukommen und damit ein Versinken im Chaos", erklärt er. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Briten nach einer Abstimmungsniederlage für May nicht doch noch einmal über den EU-Austritt generell abstimmen.

Viele Beobachter halten es für ausgeschlossen, dass das Vereinigte Königreich vor dem geplanten Austrittsdatum am 29. März ein neues Referendum auf die Beine stellen kann. Der Europäische Gerichtshof hat allerdings genau dafür den Weg geebnet, indem Großbritannien einseitig den Austritt zurückziehen kann, gibt Klein zu bedenken.

Wer fällt zuerst um?
Ein ungeregelter Brexit würde sowohl Großbritannien als auch die EU hart treffen. Allein Deutschland dürfte in diesem Fall im Jahr 2020 mehr als 4,2 Milliarden Euro zusätzlich in den EU-Haushalt einzahlen müssen. "Seit zwei Jahren spielen die EU und Großbritannien das Chicken Game", sagt Klein. "Wer glaubt, dass dies mit der Abstimmung beendet ist, wird enttäuscht sein."

Der Bankvorstand rechnet damit, dass das Spiel frühestens am 29. März ein Ende findet. "Wobei wir davon ausgehen, dass noch ein paar Extrarunden eingebaut werden, sodass der 29. März nicht haltbar sein wird", sagt er. Auch wenn May die heutige Abstimmung verliert, kann die Vernunft siegen, so Klein: "Es kann ein neues Referendum initiiert werden." (fp)