Der November naht, und die Börsen erwachen aus ihrer Winterstarre. Klingt widersinnig? Anleger hatten es sich zuletzt unter einer warmen Liquiditätsdecke gemütlich gemacht, erklärt Rainer Weyrauch, Mitglied des Managementgremiums für die Vermögensverwaltung bei der Fürst Fugger Privatbank. Nichts schien sie in ihrer Ruhe zu stören, weder die anstehende US-Wahl noch der Brexit. Allmählich zeigt sich aber wieder Bewegung an den Märkten. Die Branchen- und Einzeltitelauswahl wird wichtiger, sagt Weyrauch.

Für Kursbewegungen gibt es auch allen Grund. "Was wir gerade erleben, ist nicht weniger als eine der tiefgreifendsten Disruptionsphasen der Geschichte", sagt der Fuggerbank-Experte. "Fast alle Bereiche unseres Lebens verändern sich, und sie verändern sich schnell und radikal." Als Beispiele nennt Weyrauch etwa den Büroalltag, das Reisen, die Mobilität und die Energieversorgung. "Überall dort findet gerade ein gewaltiger Umbruch statt, der normalerweise Jahre, wenn nicht Jahrzehnte braucht. Alles ändert sich jedoch in kurzer Zeit."

Neue Wege gehen
Für Anleger gilt es jetzt, offen für Neues zu sein. "Einfach an Althergebrachtem festzuhalten, wäre fahrlässig", warnt Weyrauch. Denn nicht wenig von dem, was es heute gibt, wird in einigen Jahren einfach verschwunden sein – das gilt auch für Unternehmen, die heute noch als profitabel gelten. "Unsere Aufgabe ist es, die Werte herauszufiltern, die von den beschriebenen Entwicklungen profitieren können", erklärt der Experte.

Einzelereignisse wie die US-Wahl und der Brexit sollten Investoren nicht von den großen Trends ablenken. Kurzfristig könnten sie zwar die Kurse bewegen, sagt Weyrauch. Langfristig haben sie aber wohl kaum Auswirkungen auf die Märkte. "Die großen Veränderungen laufen im Hintergrund unaufhaltsam weiter", betont der Anlagespezialist. Er geht davon aus, dass die Börsen in der kommenden Zeit volatiler werden, und wittert darin eine Einstiegschance. (fp)