"Der Sommer ist da – und mit ihm die Unsicherheit an den Märkten", sagt Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank. Ihm zufolge könnten drei Themen "zwischenzeitliche Schwächeanfälle" auslösen: eine sich weiter verstärkende Angst vor Inflation, die Sorge um ein zu geringes Wachstum nach der Corona-Pandemie und eine Rückkehr geopolitischer Risiken wie der Handelsstreit zwischen China und den USA. "Wer jetzt schon daran gedacht hat, seine Aktienquoten leicht zu reduzieren, hat sicher nichts falsch gemacht", zeigt sich Behring überzeugt.

Vor allem die Angst vor einer anziehenden Inflation könnte sich dem Experten zufolge schon sehr bald auf die Märkte auswirken, genauer gesagt die Furcht vor einem darauffolgenden überhasteten Tapering der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), also dem schnellen Ende der lockeren Geldpolitik. "Die Marktteilnehmer fürchten, dass die anziehende Inflation die Zentralbanken dazu zwingt, auf die Bremse zu steigen und die Geldschleusen früher als erwartet zu schließen", sagt Behring. Er selbst glaubt zwar, dass Europäische Zentralbank (EZB) und Fed transparent kommunizieren und unangenehme Überraschungen verhindern werden. Aber es sei gut möglich, dass die Zentralbanken "verbale Testballons absetzen", was die Märkte kurzfristig belasten würde.

Wachstumsängste und Handelskrieg sorgen für Unsicherheit
Zur Belastung könnten auch die Wachstumsängste werden, die schon vor der Pandemie marktbestimmend waren. "Auf den Aufschwung könnte schnell Ernüchterung folgen, schließlich kann man die Wirtschaft nur einmal öffnen", meint Behring. Er erinnert: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor der Corona-Pandemie ein Wachstum von höchstens 1,5 Prozent prognostiziert – und daran habe sich langfristig auch nichts geändert. "Die alten Ängste, die vor der Pandemie marktbestimmend waren, könnten nach Abebben der Wiedereröffnungsfantasie zurückkehren“, glaubt Behring.

Zuletzt warnt der Asset Manager die Investoren davor, die Rückkehr geopolitischer Risiken zu vergessen. Ein Beispiel: der Konflikt zwischen China und den USA. "Es ist ein Fehler, dass der Handelsstreit zwischen China und den USA so ganz vom Radar der Investoren verschwunden zu sein scheint", sagt Behring. Weder habe die Biden-Regierung in großem Umfang Strafzölle gestrichen, noch zeichne sich eine diplomatische Entspannungspolitik ab. Im Gegenteil, China dürfte Bidens Anweisung an die Geheimdienste, die Ursprünge des Coronavirus erneut zu untersuchen, als Angriff empfinden. (fp)