Das hoch verschuldete Japan könnte als erste Industrienation das sogenannte "Helikoptergeld" einführen, erwarten mehrere Analysten. Derzeit weilt Ben Bernanke, der ehemalige Chef der US-Notenbank, im Land. Bernanke soll den Japanern das Konzept des Helikoptergeldes erklären, bei dem Regierungen Bares quasi über der Wirtschaft "abwerfen", um den Konjunkturmotor wieder anzukurbeln. Bernanke trägt den Beinamen "Helikopter-Ben", weil er die Idee einst als "sehr mächtiges Instrument" gelobt hatte. 

Die Märkte regierten umgehend auf den Besuch von "Helikopter-Ben": Die Kurse an der Tokioter Börse schossen in die Höhe, der japanische Leitindex Nikkei legte seit Ankündigung des Bernanke-Besuchs um fast sieben Prozent zu. Auch an anderen internationalen Aktienmärkten ging es bergauf.

Japan stehe wohl tatsächlich kurz vor der Einführung des Helikoptergeldes, erklärten verschiedene Analysten einem Bericht der "Welt" zufolge. Darunter sind Sean Darby, Stratege beim Anleihehaus Jefferies, und Megan Greene, Chefökonomin bei Manulife Asset Management. 

Wenn Japan nichts tut, riskiert es den Zusammenbruch
Auch John Hardy, Währungsstratege bei der Saxo Bank, betrachtet das Helikoptergeld für Japan aufgrund des Bernanke-Besuchs als durchaus realistisch. Sollte das Experiment allerdings nach hinten losgehen, könnte Japan sich plötzlich in einer schmerzhaften Inflation wiederfinden, warnt er eindringlich. 

Andererseits riskiere Japan den wirtschaftlichen Zusammenbruch, wenn es nichts tue. Helikoptergeld sei auf jeden Fall "ein neues Pferd im finanzpolitischen Stall", und noch dazu eines, das die Inflation deutlich effektiver herbeiführen werde als alle anderen Maßnahmen zuvor. (fp)