Im Frühjahr bezeichnete Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Helikoptergeld als "äußerst interessantes Konzept". Seitdem wird immer wieder darüber diskutiert, ob die Zentralbank ihre Inflations- und anderen Ziele tatsächlich besser erreichen könnte, wenn sie Geld direkt an die Bürger verteilen würde. In gewisser Weise tut sie das allerdings schon längst, sagt Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfoliomanager bei Franklin Templeton.

Hoppe weist darauf hin, dass viele Zentralbanken nach der Finanzkrise weltweit Staatsanleihen aufgekauft haben. Und ein Großteil der neu aufgelegten Staatsanleihen landete in den Bilanzen der Zentralbanken. Eigentlich war diese quantitative Lockerung nur als vorübergehende Lösung gedacht. "Man kann aber realistisch davon ausgehen, dass die Zentralbanken weltweit nicht die Absicht haben, die zusätzliche Liquidität, die sie geschaffen haben, jemals wieder abzubauen", sagt Hoppe.

Keine Geldspritzen für öffentliche Projekte
Der Anlageexperte hält es für unwahrscheinlich, dass die Notenbanken die Anleihen, die sie angekauft haben, irgendwann in der Zukunft wieder an den Finanzmärkten verkaufen. "Obwohl das niemals ausdrücklich kommuniziert wurde, ist das im Prinzip die Botschaft, die die Maßnahmen und Reden der geldpolitischen Entscheidungsträger vermitteln", sagt er. "In diesem Sinne ist das Helikoptergeld bereits Realität."

Würde Helikoptergeld dazu genutzt, öffentliche Projekte zu finanzieren, wäre das von Vorteil für das nominale Wachstum. Es würde kurzfristig die Inflationserwartungen anheizen und wahrscheinlich langfristig für höhere Inflation sorgen. Hoppe rechnet allerdings nicht damit, dass eine solche Geldpolitik in näherer Zukunft umgesetzt wird. "Unterm Strich wird das Helikoptergeld in seiner reinsten Form wohl so bald nicht Realität werden", sagt er. "Allerdings ist eine Umsetzung nun nicht mehr komplett auszuschließen." (fp)