Technologieaktien jagen von einem Rekordhoch zum anderen. Die starke Performance haben die Titel vor allem dem rasanten Fortschritt der Künstlichen Intelligenz (KI) zu verdanken. Rund um den Globus sprechen Unternehmen und Asset Manager begeistert vom Potential der Technologie. Nun aber hat der Hype einen Dämpfer erfahren. Ausgerechnet Yoshua Bengio, eine Koryphäe auf dem Gebiet der KI, plädierte bei der jährlichen Branchenkonferenz NeurIPS im kanadischen Vancouver dafür, die Algorithmen zu überdenken, um nicht in einer Sackgasse zu enden. Das berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ).

Bengio ist mit seiner Kritik nicht alleine. Auch Twitter-CEO Jack Dorsey veröffentlichte der Zeitung zufolge ein Manifest, in dem er seine Branche zum Umdenken aufruft. Hintergrund: Die Betreiber von sozialen Netzwerken setzen KI ein, um die Diskussionen frei von vergifteten Gedanken zu halten – bislang aber nur mit mäßigem Erfolg. Dorsey schlägt deshalb alternative Ansätze vor. Dabei schwingt der Zeitung zufolge auch eine gewisse Enttäuschung mit. Dorsey gebe zu, dass "er sich vom Einsatz künstlicher Intelligenz mehr erwartet hat", schreiben die Autoren.

Platzt bald eine Blase?
Wenn auf Euphorie die Enttäuschung folgt, ist das für Investoren gefährlich. Dann nämlich drohen die hohen Bewertungen an den Kapitalmärkten in kürzester Zeit wie ein Kartenhaus in sich zusammen zu fallen. Ähnliches könnte bald auch Tech-Aktien drohen, fürchtet die NZZ. "Man wird das Gefühl nicht los, dass die Spanne zwischen den Erwartungen der Wall Street und der Realität in der Forschung und Anwendung von KI grösser geworden ist", heißt es in dem Bericht. Angesichts der hohen Aktienbewertungen sei daher durchaus Vorsicht angesagt. (fp)