Auf der Sache nach sicheren Häfen scheint Investoren mittlerweile jeder Preis recht. Der Kurs der 100-jährigen österreichischen Anleihe hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt. Die Rendite lag im Tief bei 0,60 Prozent. Auch in Deutschland zahlen Investoren inzwischen drauf, wenn sie der Bundesrepublik Geld leihen. "Diese Entwicklungen haben nichts mit Fair Value zu tun, es ist reine Spekulation auf weitere Zentralbankmaßnahmen", sagt David Wehner, Fondsmanager bei der Do Investment.

Für Anleihe-Investoren können Bonds mit negativer Rendite gefährlich werden. Der Grund: Anleihen mit Minusrendite verhalten sich mehr wie Aktien und sind volatiler. "Die Papiere erwirtschaften keinen ordentlichen Ertrag. Sie zahlen jemandem Geld dafür, dass er sich bei Ihnen Geld leiht und Sie können nur einen Ertrag erwirtschaften, wenn Ihnen ein Dritter einen höheren Preis für die Anleihe bezahlt", erklärt der Anlageprofi. Dagegen führe jeder kleine Zinsanstieg sofort zu einem Verlust.

Heftige Anpassungsschocks
Bei den Anleiherenditen sieht er den Tiefpunkt noch nicht erreicht. "Da Staatsanleihen mit Premium-Rating als sicherer Hafen gelten, könnten die Renditen aufgrund der geopolitischen Sorgen und der konjunkturellen Abkühlung noch weiter fallen", sagt Wehner. Wenn sich die Situation verbessert, seien allerdings heftige Anpassungsschocks möglich.

Momentan stehen die Zeichen auf Sturm: Die Zinsstrukturkurve in den USA ist wieder invers, was seit jeher als einer der wichtigsten Indikatoren für eine nahende Rezession gilt. Allerdings dürfte die Fed versuchen, einen Abschwung durch geldpolitische Maßnahmen zu verhindern. Zusammen mit strukturellen Veränderungen wie zum Beispiel einem Ende des Handelsstreits könnte sich die Konjunktur nachhaltig stabilisieren, sagt der Anlageprofi. "Dann könnte sich die Zinsstrukturkurve irren und aus der Inversion folgt keine Rezession." (fp)