Es klingt nach einer einfachen Rechnung: Wenn sich die Konjunktur abkühlt, dann sollte Deutschlands Regierung der Wirtschaft mit einem Konjunkturpaket auf die Sprünge helfen. Bezahlt werden soll die Finanzspritze mit neuen Staatsschulden, fordern immer mehr Stimmen vor allem aus dem Ausland. Der Gedanke erscheint auf den ersten Blick logisch, birgt aber eine große Gefahr: "Wird das Angebot an Staatsanleihen vergrößert, leitet das eine Zinswende ein", mahnt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Quant Capital Management.

Der Mechanismus: Mit dem steigenden Angebot an Staatsanleihen sinken die Preise. Sinkende Kurse führen zu steigenden Renditen, also anziehenden Zinsen. "Höhere Zinsen belasten die Konjunktur und können den Effekt des Pakets in sein Gegenteil verkehren", sagt Mlinaric. Viele Investoren, die heute Bundesanleihen im großen Stil kaufen, tun dies, weil sie auf weiter sinkende Zinsen und damit steigende Kurse spekulieren. Sie dürften als erste aussteigen, wenn das Angebot an Anleihen ausgeweitet wird, fürchtet der Anlageprofi.

Gefahr für ganz Europa
Die Konsequenz: Dem Markt würden die Käufer ausgehen, die Kurse würden bröckeln und die Zinsen steigen – nicht nur in der Bundesrepublik, sondern in der gesamten Eurozone: "Deutschland ist die Benchmark für den europäischen Anleihemarkt, hier werden die Vorgaben gemacht", sagt Mlinaric. Steigende Zinsen aber sind Gift für die Konjunktur. "In der Konsequenz bedeutet dies, dass ein deutsches, schuldenfinanziertes Konjunkturpaket ein Risiko für die Konjunktur in ganz Europa darstellen würde." (fp)