Fondsmanager: "Märkte vermeiden Krisen nicht – sie überdauern sie"
Iran-Krieg, Ölkrise, Konjunktursorgen: Es finden sich zurzeit viele Gründe, nicht in Aktien zu investieren. Anleger tun aber gut daran, sich auf die wirklich lange Sicht zu konzentrieren, rät Amadeo Alentorn von Jupiter.
Eine Krise jagt die nächste: Zurzeit scheint die Lage wieder besonders schlecht zu sein. Kein Wunder also, dass viele Privatkunden momentan vor Aktieninvestments zurückschrecken. Aber: "Blickt man auf die Entwicklungen der letzten 100 Jahre zurück, hatten Anleger reichlich Grund zur Sorge. In rascher Abfolge kam es zu bedrohlichen politischen, militärischen, wirtschaftlichen und finanziellen Ereignissen", erinnert Amadeo Alentorn, Head of Systematic Equities bei Jupiter Asset Management. "Trotzdem ist der S&P 500 – ohne Berücksichtigung von Dividenden – seit Ende 1927 um rund 38.000 Prozent gestiegen", rechnet er vor. "Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wertsteigerung von 6,25 Prozent."
Alentorn weiß, dass Aktien über einzelne Zwölfmonatszeiträume häufig Verluste abwerfen – gemessen am US-Leitindex ohne Dividenden war dies seit 1927 in 30,6 Prozent der Jahre der Fall. "Über längere Zeiträume zeigt sich jedoch ein deutlich besseres Bild", betont der Portfoliomanager. Der Anteil der Zehnjahresperioden mit einer negativen Rendite sei beim S&P 500 mit 11,3 Prozent erheblich niedriger. "Über Zeiträume von 20 Jahren beträgt die historische Verlustwahrscheinlichkeit nur noch 3,5 Prozent", so der Aktienspezialist.
"Die Börse ist kein Nullsummenspiel"
Der Jupiter-Manager räumt ein, dass es Märkte gibt, die sich über längere Zeit nicht von der Stelle bewegen, etwa Japan nach 1990. "Die meisten globalen Aktienmärkte haben sich jedoch auf lange Sicht als hervorragende Anlage erwiesen", betont er.
Doch woher kommt diese langfristige Resilienz der globalen Aktienmärkte? "Die Börse ist kein Nullsummenspiel, sondern spiegelt das Wachstum der Realwirtschaft wider", erläutert Alentorn. "Wenn Unternehmen mit Herausforderungen konfrontiert sind, zeigen sie sich bemerkenswert anpassungsfähig. Sie sind innovativ, senken Kosten, treten in neue Märkte ein und entwickeln neue Technologien." Wirtschaftliche Rückschläge könnten den Fortschritt zwar bremsen, ihn jedoch kaum dauerhaft umkehren, argumentiert er.
"Nicht zu sehr von kurzfristigem Marktrauschen beirren lassen"
Für Alentorn stehen die globalen Aktienmärkte für das Eigentum an produktiven Vermögenswerten wie Fabriken, geistigem Eigentum, Marken oder Humankapital. "In aller Regel ist der Wert dieser Vermögenswerte im Laufe der Zeit gestiegen", weiß er.
Ihm zufolge ändern der Iran-Krieg und seine Folge daher nichts an den Grundprinzipien der Kapitalanlage. Unverändert gelte: "Langfristig investieren, auf Diversifikation achten, Risiken steuern und sich nicht zu sehr von kurzfristigem Marktrauschen beirren lassen", rät der Fondsmanager.
"Geduld ist eine Tugend"
Alentorns Fazit: "Die Lehre aus den vergangenen 100 Jahren lautet nicht, dass Märkte Krisen vermeiden, sondern dass sie sie überdauern. Anleger, die auf Gewissheit warteten, fanden diese selten. Anleger, die an ihren Anlagen festhielten, stellten fest, dass Geduld eine Tugend ist." (fp)















