Emerging-Markets-Investoren haben derzeit nicht viel zu lachen. Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA könnte zu Kapitalabflüssen aus Schwellenländern führen, die Krise im chinesischen Immobiliensektor birgt Ansteckungsrisiken, und die Impfungen gegen Covid-19 gehen vielerorts nur langsam voran. All das hat dazu geführt, dass Lokalwährungsbonds aus Schwellenländern seit Jahresbeginn in US-Dollar gerechnet rund sechs Prozent an Wert verloren haben, sagt Recai Güneşdoğdu, Leiter des Bereichs Schwellenländeranleihen bei Nomura Asset Management (Nomura AM). Er sieht allerdings Nachholbedarf für die Anlageklasse – und nennt dafür drei Gründe.

Grund Nummer eins: "Während die Industrieländer den Inflationsanstieg immer noch als vorübergehend betrachten, haben acht der von uns beobachteten Schwellenländer bereits rechtzeitig mit Zinsanhebungen reagiert", berichtet Güneşdoğdu. Das senkt die Gefahr von Rückschlägen durch weiter steigende Zinsen. Und: Die realen Renditen sind im Vergleich zu den Industrieländern attraktiver. Ein Tapering der US-Notenbank dürfte keine bösen Folgen haben, ist der Nomura-AM-Experte überzeugt.

Preisexplosion bei Rohstoffen nützt Emerging Markets
Das zweite Argument für Schwellenländerbonds: Die Rohstoffpreise dürften vorerst hoch bleiben – davon profitieren die Rohstoffexporteure unter den Emerging Markets. "Die fehlende Komponente ist jedoch das Wachstum, das zurückkehren muss, wenn die Währungen der Schwellenländer eine nachhaltige Outperformance erzielen sollen", gibt Güneşdoğdu zu bedenken. 

Damit sich das Wachstumsgefälle zwischen Schwellenländern und Industriestaaten nivelliert, müssen die Impfraten in den aufstrebenden Volkswirtschaften steigen. Genau das tun sie inzwischen – Argument Nummer drei für Festverzinsliche aus Schwellenländern. Die Ansteckungszahlen zeigen in vielen Ländern abwärts, Lockerungen treten allmählich in den Vordergrund. (fp)