"FOMO-Rally": Hoffnung auf Frieden beschert Börsen neue Rekordhochs
Vorbei ist der Iran-Krieg noch lange nicht. Und selbst wenn: Der angerichtete Schaden wird die Weltwirtschaft noch lange belasten. Doch darüber blicken viele Anleger offensichtlich hinweg. Ein Marktkenner spricht von "zunehmender Gier und der Angst, Kursanstiege zu verpassen".
Wichtige Aktienindizes haben neue Rekordstände erreicht. Am Mittwoch (15.4.) stieg der US-Leitindex S&P 500 auf bis zu 7.026 Punkte, er ging mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 7.023 Zähler aus dem Handel. Der Nasdaq-100 legte 1,4 Prozent zu und erreichte mit knapp 26.205 Zählern ebenfalls einen Höchststand. Das gleiche gilt für die Tokioter Börse: Japans Leitindex Nikkei 225 beendete den Handel 2,4 Prozent stärker bei 59.518 Punkten.
"Der US-Aktienmarkt hat den Iran-Krieg hinter sich gelassen"
"Die Hoffnung auf eine Verlängerung des Waffenstillstandes treibt Anlegerinnen und Anleger in Aktien", kommentiert Thomas Altmann, Leiter des Portfoliomanagements bei QC Partners, die Entwicklung. Wirtschaftlich bedeute ein Friedensschluss allerdings nicht die unmittelbare Rückkehr zum Status vor dem Krieg. "Hier werden gestörte Lieferketten, beschädigte und heruntergefahrene Förderanlagen und hohe Energiekosten noch lange für Belastungen sorgen", mahnt Altmann.
Der Vermögensverwalter weist darauf hin, dass der S&P 500 nicht nur ein Rekordhoch erreicht habe, sondern gleichzeitig auch sein Volatilitätsindex Vix auf ein Zwei-Monats-Tief gefallen sei. "Damit hat der US-Aktienmarkt den Iran-Krieg hinter sich gelassen, bevor er wirklich vorbei ist", so Altmann. Ob die Einschätzung der Anleger zu so geringen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges zutreffe, werde erst die Zukunft zeigen. "Die aktuellen Kurse beinhalten jedenfalls eine gehörige Portion Optimismus", meint er.
"Im Moment kaufen viele, um erst später Fragen zu stellen"
Ähnlich äußert sich Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. "Die Kursrally bei globalen Aktien ist vor allem psychologisch getrieben", betont er. Für ihn handelt es sich um eine "FOMO-Rally". Die Abkürzung steht für "Fear Of Missing Out". In einem Umfeld zunehmender Gier und der Angst, Kursanstiege zu verpassen, müssten sich die Nachrichten nahezu ideal entwickeln, um die Rally zu rechtfertigen, so Stanzl. "Darin liegt das Risiko", mahnt er. "Es wäre überraschend, wenn der Krieg ebenso abrupt enden würde, wie er begann." Die ungeklärten Fragen rund um die Straße von Hormus könnten nicht so schnell gelöst werden, wie sich das in der V-förmigen, steilen Kurserholung etwa im S&P 500 widerspiegele.
"Im Moment kaufen viele, um erst später Fragen zu stellen", meint Stanzl. "Der Zeitpunkt für Fragen wird jedoch kommen. Die Ungeduld über die Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Iran und den USA wird zunehmen, wenn die Ergebnisse ausbleiben." (bm)















