Bei der Aufdeckung von Missständen am Finanzmarkt bekommt die FMA immer öfter Unterstützung von (meist anonym bleibenden) Hinweisgebern. Im Jahr 2020 wurde ein Rekordwert von 278 Hinweisen über die 2014 eingeführte Whistleblower-Plattform eingebracht. Das ist eine  Steigerung um 57 Prozent zum Wert vor fünf Jahren. Die Meldungen haben 2020 zu sieben Investorenwarnungen, 42 Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft und "einer Vielzahl behördlicher Verfahren der FMA sowie Straferkenntnissen geführt", heißt es in einer Aussendung.

Die meisten Hinweise sind relevant
Zu ungerechtfertigten Einbringungen kommt es dabei offenbar kaum. Rund neun von zehn Hinweise sind aufsichtsrelevant. An der Spitze liegt dabei der mit fast der Hälfte der Meldungen der Verdacht auf Anlagebetrug. 120 der 245 Hinweise, die tatsächlich in die Zuständigkeit der FMA fielen, bezogen sich darauf. Dazu kommen noch neun Meldungen wegen unerlaubten Geschäftsbetriebs, wo Firmen ohne entsprechende Berechtigung konzessionspflichtige Finanzdienstleistungen anboten. Fast ein Drittel (77 Hinweise) äußerten den Verdacht auf Verfehlungen bei Banken, lediglich vier betrafen Versicherungsunternehmen und Pensionskassen. 19 bezogen sich auf Wertpapiergeschäfte, 15 meldeten einen Verdacht auf Geldwäscherei.

Wenn man die Zahlen näher betrachtet, macht sich deutlich das Erstarken digitaler Assets und Vertriebswege bemerkbar. Zwei Drittel der Anlagebetrugsmeldungen betreffen Geschäfte mit Krypto-Assets. Geworben wird dafür nach Erfahrung der FMA oft über Social Media-Kanäle wie Facebook, WhatsApp, TikTok oder Telegram. Nur noch ein Drittel der Hinweise auf Anlagebetrug betraf betrügerische Angebote mit traditionellen Anlageprodukten wie Aktien oder Gold sowie verschiedene Formen von Vorschussbetrug.

Auch Betrugsportale, die (angeblich automatisierte) Software für Differenzgeschäfte (CFDs), Fremdwährungshandel (FOREX) oder binäre Optionen anbieten, sorgen nach wie vor für Probleme. Eigentlich ist ja das Angebot binärer Optionen an Kleinanleger in der EU von vorn herein verboten, und das Anbieten von CFDs regulatorisch stark eingeschränkt.

Anonymität
Die digitale Whistleblower-Plattform garantiere den Hinweisgebern "technisch absolute Anonymität", sagen die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Eduard Müller. Informationen werden kryptographisch verschlüsselt. Weder für die FMA noch für die Strafverfolgungsbehörden sei es möglich, Informanten technisch zu identifizieren. Gleichzeitig ermögliche ein anonymisiertes, ebenso abgesichertes Postfach die Kommunikation zwischen der Behörde und dem Hinweisgeber, wenn dieser das ermöglicht. (eml)

Service: Link zum Whistleblower-Portal der FMA