Auch die Finanzmarktaufsicht FMA steht angesichts der Corona-Epidemie vor neuen Herausforderungen. Sie muss ihre Vor-Ort-Prüfungen aussetzen, um die Ansteckungsgefahr innerhalb der Behörde gering zu halten. "Laufende Prüfungen werden, soweit dies aufgrund vorhandener Informationen und Unterlagen möglich ist, off-site weitergeführt und abgeschlossen", teilt die Behörde in einem Schreiben an beaufsichtigte Unternehmen mit, das der Redaktion vorliegt.

Die Unternehmen sollten sich indes nicht wundern, wenn die FMA-Experten sich abseits einer Prüfung direkt und spontan meldet: "Um authentische Rückmeldungen vom Markt zu bekommen, werden wir auch direkt den Kontakt mit Ihnen suchen", heißt es in dem Schreiben.

Fonds-Liquidität – "Austausch mit Verwaltungsgesellschaften"
Nachgefragt wird anscheinend auch bei den Fondsgesellschaften, wie die Redaktion erfuhr. Viele Anleger haben in den vergangenen Tagen und Wochen Geld aus Investmentfonds abgezogen. So verzeichneten zum Beispiel österreichische und deutsche Aktienfonds allein in der letzten Februarwoche netto einen Abfluss von 4,48 Milliarden Euro.

"Aufgrund aktueller Ereignisse steht die FMA laufend in engem Austausch mit den Verwaltungsgesellschaften und beobachtet insbesondere die Performanceentwicklung aufgrund der Marktentwicklungen sowie die Liquiditätssituation der Investmentfonds", sagt ein FMA-Sprecher gegenüber FONDS professionell ONLINE. Bei den meist täglich liquiden Endanlegerfonds können bei außergewöhnlichen Umständen (wie auch außergewöhnlich hohe Anteilscheinrücknahmen) Ausgabe und Rücknahme ausgesetzt werden. "Bislang war eine Suspendierung der Anteilscheingeschäfte von Investmentfonds aufgrund der aktuellen Situation jedoch nicht erforderlich", so der Sprecher.

Liquidität seit längerem unter Beobachtung
Die Behörde hatte heuer – noch bevor die Corona-Erkrankungen Krisenausmaße angenommen hatten – eine Überprüfung der Liquidität in Investmentfonds gestartet. Die Anstrengungen gehen auf die europäische Marktaufsicht ESMA zurück, die sich zunehmend besorgt zeigt, weil auch in vermeintlich liquiden Aktienfonds immer wieder Probleme mit der Bedienung ausstiegswilliger Anleger aufgetreten waren. (eml)


Service: Die FMA ersucht die beaufsichtigten Unternehmen von Besuchen in der FMA abzusehen, um die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus zu minimieren. Die Ansprechpartner in der FMA seien via Telefon und E-Mail "in gewohntem Umfang" erreichbar. Alternativ zu Terminen in der FMA werden Skype for Business Termine oder Telefonkonferenzen angeboten.