Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat angekündigt, ihre Anleihekäufe nach und nach zurückzufahren. Wird das im Fachjargon als "Tapering" bezeichnete Vorgehen der Börsenrally ein Ende bereiten? Wohl kaum, meint Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Renditen stiegen jeweils mit Beginn und über die Zeit vorangegangener Kaufprogramme teils deutlich. "Am Ende der Kaufprogramme stiegen sie jedoch trotz der dann nachlassenden Notenbank-Nachfrage nicht. Im Gegenteil, sie fielen teils sogar deutlich zurück", erklärt der Vermögensprofi.  

Der Grund: Die Nachfrage der Notenbank nimmt dann ab, wenn auch das Angebot an Staatsanleihen, sprich der Finanzierungsbedarf von Staat und Unternehmen, abnimmt. "Weniger Käufe gleich weniger Nachfrage ist also zu kurz gesprungen und berücksichtigt nur die eine Seite der Medaille", sagt Lehr. Es sinken Angebot und Nachfrage gleichermaßen. Allein deshalb muss ein Ende der Anleihekäufe nicht zwangsläufig steigende Renditen bei Anleihen bedeuten, so der Experte.  

Ende ohne Schrecken  
"Egal ob in der Finanzkrise im Jahr 2008 oder mit Beginn der weltweiten Lockdowns nach Ausbruch der Corona-Pandemie: Mit dem Handeln der Notenbanken kehrte jeweils das Vertrauen der Anleger zurück", sagt Lehr. Er folgert: Die Anleiherenditen stiegen nicht trotz der massiven Nachfrage der Notenbanken, sondern deswegen. Nicht zuletzt war das Ende der aktuellen Anleihekäufe durch die Fed abzusehen und ist damit keine Überraschung für die Markteilnehmer. (fp)