Die Weltwirtschaft erholt sich, die Märkte sind längst wieder auf Wachstumskurs. Die Stimmung unter Anlegern ist vor allem mit Blick auf Aktien hoffnungsfroh bis optimistisch. Doch trotz all der guten Laune gibt es mögliche Gefahren für die Märkte. Eine davon ist die Aussicht auf einen Zinsanstieg, und zwar nicht in den USA oder Europa, sondern in einem Land das viele zurzeit nicht unbedingt "auf der Rechnung" haben, sagt Philipp Vorndran, Investmentstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. "Die Wachstumsdynamik in China ist im weltweiten Vergleich am höchsten. Ende 2021 dürfte China das Vorkrisenniveau bereits um zehn Prozent gesteigert haben."

Eine Zinserhöhung durch die chinesische Notenbank, die People's Bank of China (PBoC), wäre in Anbetracht der Wirtschaftsdynamik des Landes nicht abwegig, aber folgenschwer. "Ausländische Anleger könnten wegen der wesentlich höheren Zinsen in chinesische Anleihen investieren", sagt Vorndran. Der Mittelzufluss würde nach Ansicht des Investmentprofis den Renminbi beflügeln. "Zumindest so lange, bis die chinesische Notenbank ihre Entscheidung revidieren würde, etwa weil die Abkühlung der wachstumsstarken chinesischen Wirtschaft in Folge eines Nach-Corona-Booms durch Zinsanhebung und Währungsaufwertung etwas zu heftig verlaufen würde", sagt Vorndran. 

Verwerfungen denkbar 
Der Investmentstratege rechnet damit, dass ein solches Szenario zum einen reichlich Unruhe bei vielen Investoren auslösen würde und zum anderen zumindest vorübergehend klar negative Auswirkungen auf die globalen Rohstoffpreise hätte. Das wiederum würde Importgüter aus China vorübergehend deutlich verteuern. "Verwerfungen auf Anleihe- und Aktienmärkten sind denkbar. Auch wenn ein solches Szenario wohl erst in einigen Jahren in greifbare Nähe rückt, werden die Handlungen der PBoC für Investoren stetig relevanter werden", sagt Vorndran. (fp)