Klassische Unternehmensanleihen im Portfolio galten lange Zeit als solider Schutz vor Erschütterungen am Aktienmarkt. Doch diese Zeiten sind vorbei, meint Philipp Vorndran von Flossbach von Storch: "Die Anlagewelt hat sich radikal verändert", die Negativkorrelation zu den Aktienmärkten sei nicht mehr unbedingt gegeben. Der Kapitalmarktstratege verweist auf den Kurseinbruch bei Unternehmensanleihen im März 2020, als deren Risikoprämien um durchschnittlich 2,5 Prozentpunkte stiegen. Selbst langlaufende Anleihen von substanzstarken Global Playern wie Microsoft hatten damals mit temporären Einbrüchen zu kämpfen.  

Im Falle eines Crashs kann es sich dennoch lohnen, Unternehmensanleihen zu kaufen, sagt Vorndran: "Als im März 2020 die Risikoaufschläge stiegen, haben wir so manches Mal die Anleihen eines Unternehmens seinen Aktien vorgezogen." Wer Kursdiversifikation sucht, sollte seiner Ansicht nach zu Sparplänen greifen. "Hier ist Kursdiversifikation bereits systeminhärent." Ein Sparplan sei aber nur dann sinnvoll, wenn die gewählten Produkte Renditepotenziale aufweisen, die ausreichen, um nach Steuern und Gebühren eine positive Realrendite zu erzielen, ergänzt der Finanzprofi und rät daher von defensiven Produkten ab.

Erster Schubser
Das dauerhafte Niedrigzinsumfeld bei gleichzeitig hohem Inflationsniveau sollte Anleger nun endlich ins Handeln bringen. Vorndran ist zuversichtlich, dass das auch geschieht: "Vielleicht werden wir 2030 sagen, dass auch der deutsche Anleger in dieser Situation angeschubst wurde, in Aktien zu investieren. Und derjenige, der vor Jahren mit einem defensiven Depot den ersten Schritt gemacht hat, wird um den zweiten und dritten Schritt nicht herumkommen." (fp)